
Beim Boarding |
2006.08.01
Yay!
Heute geht's endlich los. Nach der Fahrt durch den Regen zum
Münchner Flughafen war die Aufregung definitiv am Anschlag.
CheckIn und Security waren schon nach wenigen Minuten überwunden,
doch deswegen ist die Maschine Richtung Mailand auch nicht früher
gestartet. Naja, Vorfreude ist ja eh die schönste. Leider
scheint die Digicam gerade heute den Geist aufgegeben zu haben,
zum Glück hat Tezz noch die von ihrem Bruder dabei. Mit
dem Bus übers Rollfeld und durch den Regen in die kleine
Maschine rein. Plätze am Notausgang mit ordentlich Beinfreiheit.
Perfekt. Abgehoben, was zu trinken bekommen und schon pünktlich
wieder zum Landeanflug angesetzt.
|

Blick aus dem Flieger |
Wir
hüpfen ausgelassen übers Rollfeld und lassen uns mit
dem Bus zum Gate kutschieren. In Mailand scheint die Sonne.
Die Müdigkeit macht sich beim warten auf den Anschlussflug
so langsam breit. Wir sitzen gähnend am Gate doch leider
gibt's bei den Italienern Probleme beim Boarding und wir warten
scheinbar ewig. Endlich im Flugzeug - verdammt zwölf stunden
auf normalen economy Plätzen. Egal, positiv denken. Essen
wird serviert und die hälfte (chicken) ist sogar lecker.
Keine schreienden Kinder, keine stinkenden Menschen, Glück
gehabt. Nach vier Stunden tut langsam der Arsch weh und wir
fangen an zu rechnen wie lange noch. Ice Age zwei läuft
über den Beamer und ich freue mich dass ich mit Tezz darüber
lachen kann. Die Chinesen sind unseren lauten Gesprächen
gegenüber sehr tolerant. Nach dem Film fangen die Leute
an zu schlafen und wir bedienen uns am Wein. Bei Tezz wirkt
er. Sie schläft jetzt während ich diese Zeilen schreibe.
In Shanghai ist es jetzt vier Uhr morgens und wir nähern
uns mit tausend km/h dem Ziel. Ich bin schon sehr gespannt was
uns nach der Landung um neun erwartet.
Das
Unwort des Urlaubs ist Thrombose. Wir machen immer schön
Gymnastik wies die nette Tante aufm Bildschirm vormacht. Es
sind jetzt noch ca. 3 Stunden bis wir da sind. Die ersten
Chinesen sind schon wieder munter, mit schlafen ist es schwierig.
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Maglev-Bahn |
2006.08.02
Endlich
da. Nach stundenlanger langeweile im Flieger haben wir ne halbe
Stunde vor der Landung dann Frühstück und drei Reiseformulare
bekommen. Fotos von Shanghai beim Landeanflug durften wir nicht
machen. Beim aussteigen aus dem Flieger schlägt uns erstmal
die Hitzewelle wie eine unsichtbare Mauer und eine endlose Warteschlange
entgegen. Beim Zittern um die Einreise - diese Securities sehen
so fies aus - unterhalten wir uns mit zwei anderen Deutschen
welche auch zum ersten Mal in China sind. Dann werden wir ohne
Probleme ins Land gelassen.
Schnell
Geld wechseln, Wertsachen verstauen und Richtung Magnetschwebebahn
laufen. Dann wieder umkehren und den richtigen Weg zur Schwebebahn
finden. Mit dem Flugticket verringert sich der Preis von fünfzig
auf vierzig Yuan (vier Euro). Türkise Frauen weisen einem
den Weg in die Hellblaue Maglev-bahn (magnetic levitaion).
Die Bahn beschleunigt dann auf 430 Km/h und liefert einen
sieben Minuten später an einer Metrostation in der Innenstadt
ab. Von dort aus gehts mit einem Taxi (mit Seriennummer) weiter
Richtung Hostel. Langsam wird klar das Shanghai nicht nur
anders ist als eine europäische oder amerikanische Stadt
sondern absolut nicht vergleichbar ist. Der Taxifahrer fährt
millimeterknapp an Fahrradfahrern vorbei während er scheinbar
mit dem Kopf auf dem Lenkrad schläft. Wir sitzen total
fertig hinten drin und genießen die Reizüberflutung.
Die Stadt scheint endlos und alles ist mindestens zehnmal
so groß. Der Taxifahrer stellt fragen die wir nicht
beantworten können aber fährt uns schließlich
doch zum Hostel.
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Central Int. Hostel Shanghai |
Einchecken
läuft dank Reservierung problemlos an der angenehm klimatisierten
Rezeption mit Englisch sprechenden Chinesen ab. Der Preis liegt
bei 9 (mal zwei) Euro die Nacht. Mit letzter Kraft schleppen
wir uns zum Zimmer 1105, schieben die Chipkarte in die Tür
und stolpern über unsere heruntergeklappten Kinnladen ins
Zimmer. Wir haben zwei Betten, einen Fernseher, eine Klimaanlage,
Zimmerlatschen, eine (eigene) Dusche, Zahnbürsten, Zahncreme,
Handtücher, ein Klo und nach ein bisschen Suche - man muss
die Chipkarte benutzen - sogar Strom. Wow! Alles ist sauber
und schön. Zu dem Preis hatten wir etwas viel gammligeres
erwartet. Wir fühlen uns wie in einem Hotel. Wir legen
uns verschwitzt und in Klamotten aufs Bett und könnten
sofort einschlafen doch wir brauchen dringend Wasser.
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Mein Lieblingsplatz im Hostel |
Also
beschließen wir eine Runde um den Block zu machen, packen
die Chipkarte und Geld in den Rucksack und gehen los. Es ist
etwa 12 Uhr und nach zehn Metern sind wir durchgeschwitzt. Dennoch
ist es nicht so schlimm wie alle sagen. Es ist kräftezehrend
aber man kann es locker aushalten. Wenn ich zuhause im kleinen
Bad den Trockner einschalte ist es schlimmer. Die Sonne brennt
allerdings vom Himmel und wir suchen Schatten. Jetzt erst erreichen
wir die Ausfahrt vom Hostel =) Es liegt 100 Meter von der sehr
lauten Strasse entfernt und dafür sind wir dankbar. |

Laut und gefährlich |
Auf
dem Weg um den Block prasseln tausende von Eindrücken auf
einen ein. Es ist voll, sehr voll, alles und jeder ist in Bewegung,
knallige Farben schreien nach Aufmerksamkeit. Es wird so häufig
gehupt dass man nicht orten kann welches Auto, gerade hupt.
Sogar stinknormale Fahrräder haben hier elektrische Hupen.
Wir sind total überfordert. Man weiß gar nicht wohin
man schauen soll während man versucht in diesem Ameisenhaufen
aus, Fußgängern, Fahrrädern, Mopeds, Rikschas,
Rollern, Autos, Taxen und Bussen zu überleben. Ich weiß
jetzt warum die Shanghaier unsere Städte für ausgestorben
halten. Samstags über die Kaufinger ist ein erholsamer
Spaziergang gegen das hier. |

Vierer WG |
Dennoch
sind wir begeistert. Wir biegen ab weil wir uns nicht über
die Kreuzung trauen und stehen plötzlich an einem Ort den
wir als abgefuckte Slums bezeichnen würden. Kleine, enge
Gassen mit aufgerissenem Beton. Zerfallene, zweistöckige
Häuser ohne Glas in den Fenstern. Auf den Gassen sitzen
Chinesen und bieten gelangweilt Obst an. Im vorbeigehen können
wir in die Häuser bzw. Zimmer schauen in denen sich mehrere
Familienmitglieder auf engstem Raum um etwas kümmern. Die
Armut schlägt einem wie eine Faust ins Gesicht. Ein Mann
in zerfetzter Kleidung liegt mit dem Gesicht auf der dreckigen
Strasse und ausgestreckten Armen auf dem Bauch. Nicht etwa betrunken
sondern nur in der Hoffnung auf eine Spende. Zehn Eurocent wären
wahrscheinlich einen Tag überleben wert. Wir ignorieren
ihn und ich habe ein schlechtes Gewissen, darüber dass
ich ein eigenes Klo habe und mich über belanglose Dinge
beklage. Uns geht es so gut, doch wir wissen es kaum zu schätzen.
Die Gassen werden so eng dass wir fast in den Zimmern der Chinesen
stehen die gerade zu Mittag essen. Privatsphäre gibt es
hier definitiv keine. Haben sie wohl Sex vor den Eltern und
den Kindern und der restlichen Strasse? Ich weiß es nicht.
Wahrscheinlich schon. Wahrscheinlich haben sie aber auch viel
größere Probleme als dieses. Die Gasse wird noch
enger und ich mache mir langsam Gedanken ob es so gut ist hier
langzulaufen. Mitten in die Privatsphäre (falls man es
so nennen kann) von fremden Menschen deren Kultur und Leben
ich noch gar nicht verstehe. Die 500 Yuan (50 Euro) die wir
zum Wasserkaufen mit uns herumtragen, sind etwa zwei Monatsgehälter
eines Durchschnitts-verdieners. Für diese Leute wäre
es der Jackpot im Lotto und ich mache mir langsam Gedanken um
unsere Sicherheit. Die Leute scheinen freundlich aber was wissen
wir schon? Wir drehen rum und ich schaue mich aufmerksam um.
Keine Ahnung was Tezz denkt. Haben wir das falsche Reiseziel
gewählt? |

Eingang zum Supermarkt |
Durch
die chinesischen Zeichen und die vollgestellten Fenster ist
es nicht so einfach zu erkennen ob es sich um einen Laden, eine
Wohnung oder sonst was handelt. Es ist nicht wie Italien oder
Spanien wo man Worte noch halbwegs ableiten kann. Man kann auch
ein Zeichen nicht wieder erkennen, dafür sind sie einfach
zu ungewohnt und Komplex. Selbst das vergleichen von zwei (hoffentlich
gleichen) Zeichen ist schwieriger als wir dachten. Die Strasse
wird wieder breiter und wir können nebeneinander laufen.
Wahrscheinlich sind wir schon an drei Supermärkten einfach
ahnungslos vorbeigelaufen ohne diese als solche zu erkennen.
Eine Tür öffnet sich und dahinter stehen viele Flaschen
in einem Kühlregal. Wir öffnen extra langsam die Tür
damit auch jeder merkt dass wir kommen und nicht für Eindringlinge
gehalten werden. Wir werden persönlich begrüßt
(zumindest gehen wir davon aus) und stehen in einem Laden kleiner
als mein Zimmer zuhause. Im Kühlregal erkennen wir an den
Farben und Verpackungsformen so halbwegs was wir trinken möchten.
Tezz rechnet die Beträge im Kopf zusammen und wir trauen
uns zur Kasse. Wir versuchen passend zu zahlen da wir oft vor
abzocke gewarnt wurden und wissen dass wir uns nicht im geringsten
verständlich machen können. Wir sind leichte Beute.
Aber die Kassiererin überprüft den Schein und wir
bekommen sogar noch ein bisschen Wechselgeld. Wir sind glücklich
und laufen zurück zum Hostel. In den Bäumen sitzen
unsichtbare Tiere die wie Grillen sehr laute Zirpgeräusche
von sich geben. Beängstigend. Wir kommen in unserem Zimmer
an, legen uns aufs Bett, beschließen wach zu bleiben. |

Ich geh nochmal kurz... zZz |
Vier
Stunden später gegen 18 Uhr wachen wir in unserer verschwitzten
Kleidung auf. Ich fühle mich zerstört und lass es
raushängen. Das wollte ich eigentlich vermeiden aber irgendwann
ist die Disziplin raus. Tezz lässt sich nichts anmerken.
Ich untersuche die Klimaanlage welche eine eigene Fernbedienung
mit zehn Knöpfen hat - leider chinesisch betitelt - und
versuche Einstellungen vorzunehmen. Zehn Minuten später
laufe ich mit der Fernbedienung zur Rezeption wo man mich nur
belächelt und mir auch nichts genaueres Erklären kann.
Ich weiß jetzt wie ich die Gradzahl verändern kann
(mit zwei Pfeiltasten) aber die Funktion der anderen acht Knöpfe
werde ich nie verstehen. Den Fernseher haben wir bis jetzt ignoriert. |

Unüberquerbar |
Wir
haben zwar ein Hostel in Peking gebucht aber den Nachtzug dorthin
konnte man weder übers Internet noch über die deutsche
bahn buchen. Wir hatten also unseren ersten Programmpunkt: Zur
Central Station den english-speaking Schalter finden. Leichter
gesagt als getan. Den Weg zur Metro-Station cayomang (wichtige
Orte tragen hier auch zusätzlich unsere Schriftzeichen)
haben wir uns nicht erklären lassen und auf der Strasse
nach dem Weg fragen ist beim besten Willen höchstens mit
Frust verbunden. Wir wussten dass es nicht weit ist und laufen
einfach drauf los - bis zur ersten Kreuzung... Dort stehen wir
ein paar Minuten am Straßenrand und sind damit beschäftigt
das System nachdem die Chinesen die Strasse überqueren
zu verstehen und es sieht ohne Übertreibung wirklich nicht
einfach aus. Es gibt rot, gelb und grün wie bei uns aber
weder Autos noch Fußgänger halten sich daran. Die
Fahrbahn hat zehn Ebenen. Sechs Spuren für Autos, zwei
für Fahrradfahrer und zwei Fußgängerwege und
wird von allen geteilt. Während ich scheinbar Lebensmüde
Chinesen beobachte macht Tezz die Metro ausfindig. Sie scheint
Adleraugen zu haben. Die schlechte Nachricht: Wir müssen
tatsächlich rüber. Es ist grün für uns doch
wir warten trotzdem da aus 180grad überall Fahrzeuge von
allen Seiten kommen. Alle überleben das Chaos, also hängen
wir uns heimlich an eine Chinesin und folgen ihr dicht auf die
Strasse. Von allen Seiten hupt es (anscheinend normal) von allen
Seiten drängen sich Fahrzeuge und Menschen dicht aneinander
vorbei aber berühren tut sich niemand. Wir erreichen die
andere Seite und obwohl ich weiß dass es eigentlich nichts
Besonderes ist eine Strasse zu überqueren feiere ich meinen
Erfolg. |

Caoyang Metro Station |
Ist
die Mehrzahl von Wischmop etwa Wischmöppe? Egal. Wir erreichen
die Metro zeigen auf unserem Plan mit dem Finger auf central
Station und zahlen 6 yuan. Ich habe dass Gefühl das beim
(vorsichtigen) hantieren mit dem Geld am Schalter ein zwanziger
verschwindet aber kann weder Dieb noch Geld entdecken. Vielleicht
eine Täuschung. Nachzählen ob noch alles da ist ging
nicht weil nur grob gemerkt wie viel umgerechnete Euro wir dabeihaben.
Den Metroplan gibt's auch mit unseren Zeichen und ist daher
bei fünf Linien leicht zu durchschauen. Trotzdem fahren
wir erstmal in die falsche Richtung (zur south central Station
statt central Station). Die Bahnen sind sauber, komplett durchgehbar,
haben Fernseher mit MTV und fahren (bei uns) oberirdisch. Wir
erreichen die richtige central Station und laufen minutenlang
durch unterirdische Gänge und lassen uns von der Masse
Richtung Ausgang schieben. Durch kleine Schlangenlinien versuche
ich Taschendieben am Rucksack weniger Angriffsfläche zu
geben. Obs wohl hilft? |

Wo geht's lang? |
Tezz
entdeckt die Tickethalle als erste. Drin herrscht unglaublicher
Lärm und Chaos wie auf einem Markt. Züge fahren hier
keine, nur Ticketverkauf mit Taschenkontrolle. Und zum Glück
ist der englische Schalter offen. Wir warten in der drängeligen
Schlange doch genau bevor wir dran wären drängt sich
einer vor und fängt ziemlich laut an die Kassiererin anzuschreien.
Ich mache ihm lieber Platz statt mich aufzuregen. Der Kerl ist
außer sich und macht der Schalterfrau Angst. Sie gibt
ihm einen bestimmten Betrag an Geld und der Kerl zieht ab. Wir
wollen gerade anfangen zu reden da drängt sich ein uniformierter
(Wachmann?) vor. Als wir Tickets kaufen versteht sie uns kaum,
und wir sie auch nicht aber wir bekommen für tausend (hundert
Euro) zwei Tickets erster klasse im Nachtzug. Wir verstehen
nicht was drauf steht aber es wird schon passen. Später
entdecken wir direkt am großen Bahnhofsplatz eine zweite
Tickethalle in der alles ruhiger und zivilisierter zugeht. |

Bar im Hostel |
Wir
laufen vom Hbf aus der Nase nach durch die Stadt. Mittlerweile
ist es dunkel und wir lassen uns von Millionen bunten Lichtern
beeindrucken. Überqueren eine Strasse über eine Brücke,
wimmeln Leute ab die uns tolerant und unaufdringlich ansprechen
und kommen schließlich wieder relativ plötzlich in
einen "abgefuckten" Block. Viele Menschen tummeln sich hier
auf der brüchigen Strasse. Ein Mann grillt etwas undefinierbares,
eine Frau schlägt am Boden einen Fisch tot, ein anderer
macht aus Teig Spagetti. Die Leute sind arm und ich fürchte
mal wieder Taschendiebe. Die Häuser sind zerfallen, teilweise
haben sie nicht mehr alle Außenwände und sind ziemlich
heruntergekommen. Trotzdem sitzen Leute in Liegestühlen
bequem auf der Strasse und machen einen sehr sympathischen Eindruck.
Ich bereue dass ich kein chinesisch kann. Ich würde gerne
mit den Leuten reden. Die Leute haben auch nichts mit diesen
Mitleidserregenden Spendenwerbungen zu tun wie wir sie immer
sehen. Sie scheinen glücklich und lachen. Wir finden eine
Metro und mein Rucksack ist plötzlich eine handbreit offen.
Es fehlt nichts. Allerdings war auch nichts Wertvolles drin.
Wir haben Riesenhunger und weil wir uns noch nicht wagen gehen
wir zum essen ins Hostel. Diesmal verfahren wir uns zwar nicht
müssen aber zweimal Tickets lösen weil wir beim umsteigen
den Transfergang nicht finden. Ein und Auslasskreuze entwerten
die magnetischen Tickets. Also raus und bei der anderen Linie
mit neuem Ticket rein. Im Hostel essen wir sehr preiswert und
gut. Dann reden wir die halbe Nacht im Bett über unsere
Eindrücke. |

Tempelflitzer |
2006.08.03
Tezz
schläft noch und ich schleiche mich aus dem Zimmer. Ich
informiere mich über Touren etc. an der Rezeption. Ich
habe die Chipkarte im Zimmer gelassen damit Tezz Strom und Klimaanlage
hat. Das war ein Fehler, denn nach zehn Minuten hatte ich alles
erledigt aber wollte sie nicht durch klopfen wecken. Also gehe
ich raus und schlendere durch die Strassen, schaue in den McDonalds
und kaufe mir an einem Verkaufstand für dreißig Yuan
FlipFlops. Hunger habe ich dank der Hitze keinen. Ich entdecke
einen künstlichen See bei einem Teehaus, kann der Bedienung
aber nicht verständlich machen dass ich nur schauen will.
Zurück im Hostel öffnen mir zwei verschlafene Mausäuglein
die Tür. Es ist gegen Mittag und Siesta ist angesagt. Später
wollen wir am Bund essen. |

Peoples Square |
An
der Metro wollen wir eine praktische Prepaidkarte kaufen und
zahlen aber das Doppelte. Wir wollen uns eigentlich beschweren
aber wissen nicht wie. Wir trösten uns damit dass es trotzdem
billiger ist als in Deutschland. Einen Automaten für eine
solche Karte konnten wir nicht finden. Wir fahren bis zum Peoples
Square und kommen aus einem der hundert Metro-exits unter denen
man sich immer verläuft. Als wir an die Oberfläche
kommen sind wir so überwältigt dass wir mitten im
Menschenstrom stehen bleiben. Wir schauen eine Strasse runter
an deren Ende einige Kilometer entfernt die riesige Kugel des
Pearl Towers auf ihren drei Beinen ruht. Wie ein riesiges Auge
welches die Stadt überblickt. Wir benehmen uns wie ordentliche
Touristen und schießen viele Fotos. Nach ein paar Minuten
schauen wir das erste Mal zur Seite und stellen fest dass wir
mitten zwischen hunderten toller Fotomotive stehen. |

Eishalle im New World City |
Wir
fangen alles ein und bewegen uns Richtung New world City - einem
etwa elfstöckigen mega Einkaufscenter. Was wir dort alles
sehen würde Bibliotheken füllen. Die Highlights sind
gewundene Rolltreppen, eine Eislaufbahn, eine Arcadehalle in
welcher Mütter mit ihren Kindern mit MGs bewaffnet Zombiehorden
niedermetzeln, eine Geisterbahn, ein 3D Kino, und diverse kleinere
Fahrgeschäfte wie man sie auf dem Oktoberfest findet -
in einem Einkaufscenter. Wir wollen heute aber ja eigentlich
zum Bund und reißen uns aus dieser schönen Traumwelt
heraus und versuchen das Kaufhaus zu verlassen. Doch leider
kann man den Aufzug nicht rufen. Es gibt keinen Knopf. Chinesen
schmunzeln über unsere ratlosen Gesichter. Wir vermuten
dass dieser Aufzug nur nach oben bringt aber nicht nach unten
und nehmen den längeren Weg. Höhenangst darf man hier
wohl nicht haben denn von den Rolltreppen aus kann man durch
eine Riesenhalle bis zum Boden sehen. Tezz nutzt die Zeit für
Fotos. |

Pearl Tower und Jinmao Tower |
Auf
dem stundenlangen Weg zum Bund (auf der Karte sah es viel weniger
aus) kommen wir an unzähligen Baumarktläden vorbei.
Den meisten Geräten können wir keine Funktion zuordnen.
Als wir endlich an der Pagode der Volkshelden ankommen sind
wir ziemlich KO. Doch der Ausblick ist berauschend. Ein Grafiker
würde es wohl mit "Vista" beschreiben. Die visuelle Belohnung
für eine erfolgreich gelöste Aufgabe. Diesen Gedanken
erspare ich Tezz und wir schweigen. Noch nirgends haben wir
so wenige Leute gesehen wie hier. Ungefähr 20 Leute an
dieser Touristenattraktion. Man muss nicht ständig auf
seine Wertsachen achten oder Leuten ausweichen. Wir hätten
länger bleiben sollen. Auf dem kompliziert abgesperrten
Weg zum Bund (ein Gitter trennte uns den eigentlich kurzen Weg
ab) sehen wir ein dutzend Touribusse und es wird richtig voll.
Richtig voll. Den Promenadenweg am Fluss langzulaufen hat kaum
was Positives. Millionen von Touristen, mindestens doppelt so
viele "lizenzierte" Rolexverkäufer und andere nervige Touriabzocker.
Komischerweise scheinen sie ihre Ware an den Mann zu bringen.
Wir ignorieren sie aber sobald man einen hinter sich gelassen
hat steht schon der nächste da. Wir tragen unsere Rucksäcke
vorne. Ungemütlich. Aber die Skyline ist unglaublich. Man
muss es einfach sehen. In zwei Stunden wird es dunkel. |

Blick vom Bund auf Pudong |
Wir
haben 20 Stunden nicht gegessen, schwer zu erklären warum.
Die Ablenkung wahrscheinlich. Auf jeden Fall steht essen ganz
oben auf der Liste. Am Bund ist leider alles teuer also wollen
wir dem Reiseführer nach zur besten Pizza der Stadt. Nach
einer langen Reise (auf der Karte sah es mal wieder näher
aus) landen wir in der schönsten Hotellobby die ich je
gesehen hab. Unglaublich schön designt aber eben ohne diesen
vergoldeten Prunkscheiss. Am Empfang zum Restaurant fühlen
wir uns mit Rucksack und Flipflops ziemlich fehl am Platz. Die
Edelkellner führen uns trotzdem freundlich herein. Das
Restaurant ist sehr schön, dass essen hat deutsche Preise
und sogar deutsche Gäste, wie peinlich. Wir werden übereifrig
bedient, sagen tausendmal danke und bestellen Pizza und Gnocci.
Die kleine leckere Portion macht mehr als satt und kostet außerdem
mehr als wir dabeihaben. Nach langem hin und her zahlen wir
weniger und dürfen gehen. Unser Heimweg führt uns
an der mittlerweile komplett beleuchteten Bundpromenade und
der Nanjing Lu vorbei. Von Touris überfüllt aber sehr
sehr beeindruckend. Wir kommen todmüde im Ho(s)tel an reden
aber wieder die halbe Nacht. Der Wecker steht auf sechs Uhr
morgens da wir in einen Park wollen und die Touriherden satt
haben. |

Tempel |
2006.08.04
Ich
wache um 11 auf und fühle mich schon wieder zerstört.
Wir gehen (zwingen uns zum) frühstücken und bekommen
Marmelade aus Österreich dazu. Faul chillen bis 14 und
dann schnell mit dem Taxi für 14yuan zum Jade Buddha Tempel.
Wir erwarten eine stille, andächtige Atmosphäre mit
strengen Wächtern die sofort schießen wenn man zu
laut redet. Aber der Tempel ist voll die Touriattraktion und
wir schlendern an Andenkenläden vorbei und machen Fotos
mit Blitz zwischen betenden Leuten. Ich bin zwar eh nicht sehr
religiös aber zwischen Touris beten wär nicht so mein
Ding. Die Tempelanlage ist sehr sehr schön gestaltet und
gepflegt. Frauen verbrennen dutzende Weihrauchstäbchen,
beten unterwürfig und dankbar jeden drei Meter hohen vergoldeten
Götzen an und Mönche in braungelben Gewändern
kreuzen unseren Weg. Die Gottesstatuen unterscheiden sich alle
von freundlich bis angsteinflössend. Manche tragen Waffen,
haben viele Arme oder dicke Bäuche. Hintergrundwissen habe
ich keins. Sie sind dennoch so beeindruckend und aufwendig in
Szene gesetzt dass ich (als ungläubiger) trotzdem ein bisschen
nachvollziehen kann warum man diese Statuen anbeten möchte.
Viele Dinge kann man schwer mit Worten beschreiben. Unsere deutsche
Kirchendeko wirkt auf jeden Fall plötzlich mickrig. Wir
relaxen ein bisschen zwischen Bonsaibäumen und treffen
beim rausgehen den ersten deutschen. Die Freude ist groß
die Unterhaltung belanglos und kurz. |

Malls am Jing An Platz |
Bettler
werden aufdringlicher und junge arm wirkende Kinder begleiten
die Touris bis zu einem unsichtbaren magischen Punkt. Haben
sie bis dahin keinen Erfolg ziehen sie wieder ab. Sie haben
ihre Hände immer nah an unseren Hosentaschen, versuchen
Berührung jedoch zu vermeiden. Man muss schon ein bisschen
hart bleiben um so zu tun als wären sie nicht da. Das schlechte
Gewissen kommt wieder. Auch Tezz bleibt ignorant. Ein Taxi ermöglicht
uns die Flucht. Eigentlich wollen wir einen weiteren Tempel
sehen aber als wir vor Ort sind lassen wir uns von edlen Shopping
malls, starbucks und häagen dazs ablenken. Ich treibe Unfug
in den leeren edlen Gucci, Armani bonzen-kaufhäusern und
rutsche die Rolltreppenbänder auf dem hintern herunter.
Ob es Tezz peinlich ist kann ich nicht sagen. Nach ein paar
Stunden westlicher Kultur machen wir uns auf den Heimweg.
Ich
stelle fest dass Chinesen ihren Freunden nur ungern hinterher
oder zurufen. Sie wollen sich anscheinend lieber kompliziert
mit Armgefuchtel bemerkbar machen auch wenn das rufen eines
Namens viel effektiefer wäre. Wir unterhalten uns laut,
lachen und zeigen mit dem Finger. Es ist schwer einzuschätzen
was die Chinesen von uns denken. Sie grinsen immer freundlich.
|

Echte Vitamine für Tezz |
An
der Transferstation Zhongshan Park steht ein riesiges Hochhaus
auf welchem meterhohe Lettern "Cloud nine" (siebter Himmel)
verkünden. Der Reiseführer verspricht eine Bar im
87. Stock und wir machen uns auf die Suche. Da diese Hochhäuser
nicht nur hoch sondern auch unglaublich breit und lang sind
gestaltet sich die Suche nach dem Barzugang schwierig. Wir kommen
nur via Rolltreppe bis ins fünfte Stockwerk (und fragen
is ja nich). Wir kaufen endlich mal in nem großen Supermarkt
(im Basement) ein und betrachten viele Nahrungsmittel mit ekel.
Jedoch gibt es auch viele "leckere" Dinge. Wir kaufen "just
add hot water" Gerichte, Rasierklingen, Tiger Beer und einen
hellblauen alcopop. Der Rucksack geht gerade noch zu. Immer
noch keine Spur von der Bar. Ein genauerer Blick in den Merian
(welcher eindeutig aus mehreren Gründen unpraktisch und
nicht zu empfehlen) zeigt dass das "Cloud 9" nicht im "Cloud
Nine" ist sondern im Marriot Hotel in Pudong. Aha. Nachtrag:
Cloud 9 befindet sich im JinMao Tower und hat Dress Code.
|

Internet, USB und CDR im Hostel |
Zuhause
gehen wir für 5y (50cent) ins web, stellen fest dass wir
uns ins chinesische Interface von Skype, bei web.de, webmail,
christian.marzy.de und anscheinend bei msn einloggen können.
Die Tastatur ist amerikanisch qwerty und hat scheinbar andere
Abmessungen. Blinde Finger landen häufig falsch. Eine kleine
Bierdose wirkt wunder, wir schneiden uns beide beim Rasieren
und Tezz desinfiziert ihre Wunden wegen unreinem Duschwasser.
Ich überlebs hoffentlich auch so. Unsere Betten sind frisch
bezogen, Wertsachen fehlen keine. Ich schlafe schnell ein und
bin die restliche Nacht ziemlich verspult.
Alpträume. Tezz ist krankgeworden und will den Urlaub
wegen Oktoberfest abbrechen, den restlichen Urlaub bin ich
alleine. Danach trage ich sie huckepack durch mein Büro
und wir stehen stundenlang für unser essen an. Eine Interpretation
erspare ich mir.
|

Überlebenswichtige Lebensmittel |
2006.08.05
Ich
bin wach. Und es ist erst acht. Den Wecker um 6 habe ich wieder
nicht gehört. Gestern haben wir noch ausgerechnet dass
unser Geld noch knapp wird wenn wir weiter so "teuer" leben.
Aus Spaß sagt sie "Also wenns drauf ankommt ess ich die
letzten drei Tage nichts und geh trotzdem schoppen." Ich lache
mich halb tot weil wir eh zu wenig essen =)
So
langsam gewöhne ich mich an die täglichen Schwierigkeiten
hier. Wir überqueren zwischen dem Verkehr flink die Strasse,
steigen ins Taxi und zeigen den Zielort mit dem Finger auf
einer chinesischen Karte. Wir kontrollieren die Route und
kommen ohne Umwege zur chinesischen Altstadt. Wir wollen zur
Zickzack Brücke doch umkreisen sie mehrmals ohne sie
zu sehen.
|

Unser schlechtestes Essen |
Kurzerhand
beschließen wir in einem vollen Selbstbedienungsladen
zu Frühstücken. Wir schätzen die Auswahl auf
hundert verschiedene Gerichte. Wir nehmen Frühlingsrolle
mit schleimigem Inhalt, Madenartigen Reis der nach Kartoffelpuffer
schmeckt, kalte Nudeln mit grüner Füllung und Erdnusssoße,
kalte, trockene Pommes, kleine Gebäckteilchen mit puddingartiger
Füllung und Sojanudeln. Alles für 6 Euro. Außer
der Erdnusssoße und dem Gebäck schmeckt uns nichts
gerade gut. Die Durchfalltabletten liegen dummerweise weit entfernt
im Hostel. Aber wir bleiben glücklicherweise verschont.
|

Überfüllte ZigZag Bridge |
Als
wir dann endlich im Yu Juan Garden sind lassen wir mal wieder
den Touri raushängen und schießen hunderte Fotos.
Das lohnt sich wirklich sehr aber ist dank blödem Merian-Reiseführer
nur zu finden wenn man Einheimmischen mit dem Finger aufs Bild
der gesuchten Attraktion zeigt. Die erzählen dann im Pyjama
drauf los und zeigen dann auch irgendwann mit dem Finger in
die richtige Richtung. Toll! In nem Tempel waren wir auch noch
- zum Fotos machen. Ruhe vor der Masse hat man dort auch, die
ist ihren Eintritt auch wert. Um acht Uhr aufstehen reicht wirklich
einfach nicht. Lieber um 6 und dann auch früh ins Bett.
Vielleicht kriegen wir das ja auch noch mal hin. |

Luxusproblem |
Im
Reiseführer wird ein Spaziergang von der Altstadt durch
eine abgefuckte Gegend zum französischem Viertel vorgeschlagen.
Wir laufen bis sogar der Arsch wehtut und ich schlafe auf einer
Parkbank fast ein. Die Stimmung geht gegen Null. Ich sprinte
zwei Runden durch den Park und fühle mich besser. Die abgefuckte
Gegend ist kontrastreich. Auf der einen Straßenseite gibt
es in dem Familienhaus mal wieder keine Außenwände,
Unterwäsche hängt zum trocken auf Kopfhöhe über
der Strasse. Eine Frau wäscht sich an einer Wasserstelle
die Haare. Ein weiterer trinkt das Wasser vor dem jeder Arzt
warnt einfach aus dem Hahn. Tezz meint die Leute wären
durch ständige Konfrontation dagegen Immun. Die Häuser
sind zerfallen, aus Platzmangel wird draußen gesessen.
Die Kleider haben das Grau der Strasse angenommen. Es ist wirklich
ergreifend die kleinen Kinder dort leben und lachen zu sehen.
Im Gegensatz zu den Pennern an Touriorten sind diese Menschen
freundlich, unaufdringlich, sympathisch. Sie lächeln mit
uns und schauen weder zu uns auf noch ab. Diese Menschen sind
nicht arm weil sie faul sind. Wir laufen mit unserer sauberen,
bunten Markenkleidung, dem gekühlten Wasser und einer teuren
Digicam vorbei und machen Fotos. Auf der anderen Straßenseite,
keine zehn Meter entfernt steht eine neu gebaute Villa mit einer
Stretch-Limo davor. Leider fehlt uns die Ausrüstung den
harten Kontrast gescheit auf ein einziges Foto zu bekommen.
Ich klettere mit schlechtem Gewissen den Schuttberg eines Hauses
von dem nur noch fünf Säulen übrig sind hinauf
und fotografiere die Villa. |

Ein teures Stück Westen |
Wir
filmen einen Mann der im Unterhemd und Regenschirm singend und
tanzend sehr langsam die Strasse entlang geht. Ich tippe ja
auf Drogen aber die Bullen lachen mit ihm. Fünf Minuten
später kommen wir am Paulaner an und wollen ein Oktoberfestbier
trinken. Da dass Bier dreimal so viel kostet wie auf dem Oktoberfest
gehen wir schnell wieder. Welcher Chinese soll sich das leisten
können? Überhaupt ist hier alles sehr westlich also
gehen wir wieder.
Es hängt ständig ein komischer Geruch in der Stadt.
Wir nehmen ihn aber mittlerweile nur noch Abend wahr wenn
wir nach dem Duschen an den getragenen Klamotten schnuppern.
Bäh. Außerdem verfolgen uns immer noch diese unsichtbaren
Viecher aus den Bäumen. Die sind sehr laut und machen
verstörende Horrorfilmgeräusche. Abends ist ein
großes Tsingtao und Cesars Salad aufm Zimmer angesagt.
Das haut ziemlich rein und macht müde, obwohl ich sonst
sauf wie ein Loch.
|

Das tägliche Frühstück |
2006.08.06
Ich
verbrenne mir gleich morgens im Bett die Fresse an den schärfsten
Nudeln die ich je gegessen habe. Die Instant Nudeln sind der
Burner. Nach dem Wäsche aufhängen geht's mit einer
neuen sechs-euro Hose nach Pudong. Wir laden unsere public transportation
prepaid card auf und lassen uns diesmal nicht bescheissen. Metro
fahren ist so ne Sache. Man weiß nie so recht an welcher
Station man gerade ist. Im letzten Moment springen wir aus der
Frosterbahn in die 30 Grad am Pearltower. |

Fische sind Freunde |
Im
Ocean Aquarium will mich die Tussi um 10 Yuan bescheissen. Das
geht natürlich nicht und schließlich rückt sie
den Rest auch noch raus. Alle Preise und Zahlen allgemein sind
glücklicherweise immer in unserem Zeichensatz abgebildet.
Passend zahlen wo es nur geht. Die Unterwassertunnel sind beeindruckend
und schön gestaltet. Durch optische Täuschung meint
man nach den Fischen greifen zu können. Dort sind wir außerdem
vor der Mittagshitze sicher. Die elf Euro sind viel aber es
lohnt sich. Am Ende bekommt man einen Gutschein für eine
"wertvolle" Perle. Doch die Kette dazu kostet 15 Euro. Hirn
einschalten, rumdrehen und gehen. Zum Glück machts Tezz
genauso. |

Tiger Tezz |
Wir
entdecken einen Park direkt hinterm Pearl Tower in dem kein
einziger Tourist ist. Es grenzt an ein Wunder. Ich kann wirklich
nicht sagen warum dort niemand ist. In Shanghai ist es wirklich
immer überfüllt. Ähnlich wie bei der WM nur halt
dauernd. Wir genießen die seltene Ruhe an einem kleinen
See und stoßen danach auf drei Gänse von denen eine
in Angriffsstellung auf uns zu rennt. Als sie nur noch wenige
Meter von uns entfernt ist nehmen wir lieber die Beine in die
Hand und verziehen uns. Der Park ist wohl deshalb so leer weil
die anderen Touristen von den Killergänsen vernichtet wurden. |

Pudong |
Danach
machen wir uns am Jinmao Tower - dem höchsten Gebäude
Chinas und 4. höchstem der Welt - vorbei richtung Marriot
Hotel weil wir diesmal ins richtige Cloud 9 wollen (nicht etwa
cloud nine). Danach setzen wir uns ins Taxi und fahren zurück
zum Jinmao Tower denn das Cloud 9 ist ja doch dort. "Dieser
Merian geht mir echt auf den Sack". Pudong ist sehr viel geplanter,
aufgeräumter und strukturierter als die andere Seite vom
Fluss. Riesige Straßen auf denen im Vergleich zum Rest
so gut wie gar nichts los ist. Endlich angekommen ist leider
das Geld all, die Bank zu und die Rezeption unwillig Traveller
Cheques zu tauschen. Also gibt's statt Cocktail im 87. Stockwerk
bei Sonnenuntergang leider nur Wasser am schattigen Straßenrand. |

Blick von Pudong zum Bund |
In
einem Supermarkt (Wie immer Wasser kaufen) spricht eine freundliche
Chinesin wieder mit uns und wiederholt dauernd einen Satz, oder
ein Wort während sie auf unsere Armbändchen zeigt.
Ich brabbel es so gut wie es geht nach aber hebe die Stimme
am ende so dass es klingt wie eine Frage. Shoniabaratse? Die
Frau bricht in Lachen aus und wir lachen mit. Auch wenn wir
uns nicht verstehen verständigen wir uns mittlerweile ganz
gut. Die Chinesen sind sooo viel freundlicher und sympathischer
als die Deutschen, speziell die Bayern.
Unser
letztes Kleingeld geben wir für den Fußgänger
Unterwassertunnel zum Bund aus. Der ist für alle Drogenfreunde
sehr zu empfehlen! In kleinen Bahnen fährt man durch
einen Tunnel mit aufwendigen Laser, Video und Lichteffekten
während man von nerviger psychedelischer Musik begleitet
wird. Allerdings bin ich leider nüchtern. Auf der Metrofahrt
nach hause halte ich mich beim Umfallen an einem Chinesen
fest, doch der lacht nur.
|

3 -Tages Ration |
Wir
werden beim Straßenüberqueren so langsam mutiger.
Normal brauchen wir für die etwa 50 Schritte auf die andere
Seite so 20 Sekunden. Die Ampelmännchen haben einen Countdown
von 30 Sekunden. Wird aber eine Ampel rot rennen wir so schnell
wir können denn die Shanghaier rasen sofort los und kommen
wenn überhaupt nur mit quietschenden Reifen zum stehen.
An fast jeder Kreuzung steht zusätzlich ein Traffic Assitant
der ständig dabei ist leben zu retten. Übrigens gibt
es nirgends Grafitti. Die Strafen müssen generell recht
hart sein, oder die Erziehung sehr gut. Denn aktive Straftaten
oder deren Effekte sehen wir nie. Wir meiden dunkle Gassen aber
die anfängliche Angst verfliegt immer mehr.
Tezz weiß jetzt auch warum die Chinesen so harte Matratzen
haben. Wenn man auf dem Bett Instant Suppe zubereitet und
sich daneben setzt kippt nichts aus. Schlau!
|

Streitschlichter, Segen, Heimlittel |
2006.08.07
Wirklich
auf die nerven geht mir die Security im Hostel. Die benutzen
Walkie Talkies und sind dauernd am labern. Auf volle Lautstärke
gedreht laufen sie damit durchs Hostel und reißen einen
aus jedem Traum. Unsere Zimmertür ist so schalldicht wie
ein Vorhang. Ich bin froh dass es hier sicher ist, aber der
Preis für die Nerven ist hoch.
Unsere
Klimaanlage steht auf 26Grad und es ist ohne Decke immer noch
zu kalt. Regelmäßiges ausschalten ist die beste
Lösung. Unsere Dusche im Hostel ist ein Segen. Die Laune,
Kraft und das Wohlbefinden werden im nu regeneriert. Manchmal
denke ich das wir beim heimkommen kurz vor einem Streit stehen
aber nach dem Duschen sind wir wieder beste Freunde. Ich sollte
Eheberater werden.
|

Halb beladenes Rad |
Ursprünglich
wollten wir uns ja mal Fahrräder mieten. Aber es ist uns
zu gefährlich und selbst der blöde Merian rät
davon ab. Der Verkehr hier ist unvergleichlich. Hier gilt das
recht des Stärkeren. Ampeln werden nur beachtet wenn der
Traffic Assistant gerade mal herschaut, gewendet wird überall,
eine Spur ist hier keine Vorgabe in welche Richtung man zu fahren
hat sondern eher eine Richtlinie. Fahrräder höher
und breiter als Busse beladen warten mit ihren muskulösen
Fahrern an Ampeln. Fahrräder sind vielseitig einsetzbar.
Ob als fahrender Grill, Schlafplatz oder Schwertransport spielt
keine Rolle. Roller oder Fahrräder nur mit nem Fahrer drauf
sieht man selten. Jeder fährt etwas durch die Gegend, Kissen,
Bierkästen oder Kartons. Hauptsache soviel auf einmal wie
nur geht. Und es geht ziemlich viel. Mehr als man denkt.
Rollerfahrer transportieren meist quersitzende Frauen. Wir
haben sogar schon öfter beobachtet wie ein Rollerfahrer
an ein Geschäft fährt vor welchem Kleidungsstücke
aushängen. Ohne abzusteigen wird der Fahrer von einem
Verkäufer beraten und kauft schließlich sein Shirt.
Der Motor läuft noch und der Roller gibt hupend wieder
Gas. Unsere Ordnungshüter würden Gehirnblasen kriegen.
|

Eier im Supermarkt |
Wer
mit dem rauchen aufhören möchte sollte nach Shanghai
kommen. Die Luft ist zwar dreckiger als jede Kippe die man auf
dem Boden findet aber Lust auf eine Zigarette hatte ich hier
noch gar nicht. Auch Alkohol trinken wir nur sehr wenig. Wasser
ist überlebenswichtig, und da man nicht aus der Leitung
trinken darf auch fast immer leer. Wir hätten mal ne Art
Kasten kaufen sollen. Das wir die Prepaid karten (public transportation)
immer noch nicht markiert haben rächt sich langsam. Drei
yuan umsonst verballert weil wir prüfen wollten wie viel
noch auf welcher drauf ist.
Im
Supermarkt machen wir heute Großeinkauf. 7 Instant Nudelgerichte,
2 Reisgerichte, Pringles, 5 Liter Getränke, 2 Äpfel,
3 Bananen, 3 Tafeln Schokolade, 4 Pudding, 3 Oreo-sorten und
ein leckeres Gebäckstück für nur 15 Euro. Yeah!
Traveller Cheques einzutauschen ist viel schwieriger als erwartet
("die kann man selbst im Taxi einlösen" - von wegen).
Auf jeden Fall lernen wir für die Zukunft sich den Weg
zu einer "Bank of China" aufmalen zu lassen. In jeder Bank
muss man eine Nummer ziehen und so etwa 10 Minuten warten
bis man an der Reihe ist. Dann wartet man noch 10 Minuten
auf sein Geld und kann glücklich die Bank verlassen.
|

Unser Fernseher bleibt meist aus |
Dass
wir Musik über den Lautsprecher vom XDA laufen lassen können
ist wunderbar da im Fernsehen noch mehr Scheiss läuft als
bei uns. Im Hostel laufen allerdings aktuelle Kinofilme auf
gerippten DVDs in englischer Sprache und chinesischen Untertiteln.
Außerdem erledigt der Informationstisch alles was man
sich nur wünschen kann. Touren zu auswärtigen Zielen,
Reservierungen für die Akrobaten Show, Zugtickets und Flügen.
Über eventuelle Zusatzkosten wird man freundlich hingewiesen
und alternativen werden Angeboten. Jeden Tag kommt außerdem
die Putze und wechselt dreckige Bettwäsche und Handtücher.
Super Service für 9 Euro die Nacht! Ich kann das Central
Int. Hostel nur empfehlen. Es liegt zwar nicht am Bund aber
dafür keine fünf Minuten von der Ubahn weg was wir
vor allem abends in dieser riesen Stadt zu schätzen wissen. |

Die Frau wirbelt herum |
Eineinhalb
Stunden vor Beginn haben wir uns auf den Weg zum Akrobaten-Theater
gemacht weil wir früh dran sein wollten. Dass wir durch
die Reservierung feste Sitzplannummern haben wussten wir nicht.
Wir fahren zum People Square, entscheiden uns für Exit
3 von 12 und laufen minutenlang in unterirdischen Gängen
mit dem Strom. Dann gehen wir scheinbar ewig die Nanjing Lu
entlang. Lu bedeutet Strasse und ist je nach Himmelsrichtung
auch durch Donglu, Xilu und so zu ersetzen. Wir kommen gerade
als der Vorhang sich öffnet in den Saal und genießen
frierend die echt gute Show. Ich bin begeistert, es ist schon
eine Klasse höher als in einem Zirkus. Abends gibt's zur
Belohnung leckere Instant Nudeln und wir versuchen früh
zu schlafen. |

Einer der vielen Straßenhändler |
2006.08.08
Wir
verlassen das Hostel und direkt vor unserer Nase rammt ein Rollerfahrer
den anderen im Verkehrsgetümmel zu Boden. Der Fahrer liegt
regungslos unter seinem Roller begraben während sich der
andere schnell aus dem Staub macht. Ich würde das Spektakel
gerne weiter verfolgen und am liebsten Fotos schießen
aber wir haben es eilig. Die halbe Nacht an der Bar verbracht
geht es mir entsprechend. Außerdem finden wir den Weg
zum englischen Ticket Office nicht mehr und meine Laune bessert
sich erst als ich sehe wie einem Fahrradfahrer ne Melone auf
die Strasse fällt und zerplatzt. Hoho. |

Visum für China |
Hätten
wir die unterirdischen Gänge der Metro benutzt hätten
wir von der Station Central Station zur eigentlichen Bahnhofshalle
wahrscheinlich nur 10 Minuten gebraucht. Obenrum brauchen wir
fast ne Stunde. Endlich am english speaking Schalter lösen
wir zwei Tickets nach suzhou. In 40 Minuten geht's los und ein
Ticket kostet 22y (zwei Euro). Der Bahnhof darf nur mit Ticket
betreten werden und Rucksäcke werden gescannt. Wie an einem
Flughafen betreten wir eine Art Gate und warten bis das Boarding
beginnt. Wir verstehen dass natürlich nicht sofort und
steuern planlos umher auf der Suche nach einem klassischen Bahnsteig
wie man ihn kennt. Der Masse hinterher klappt es dann doch aber
ob wir wirklich das richtige tuen wussten wir nicht. Wir dürfen
nur Wagen acht betreten und haben dort - Überraschung -
trotz soft seater ticket einen Stehplatz. Fünfzig Minuten
später steige ich genervt aus dem Zug und wünsche
mich ins Hostel zurück. |

Suzhou von oben |
In
Suzhou brennt die Sonne vom Himmel, es ist ja auch mittags.
Der Karte nach ist es nicht weit bis zur ersten Attraktion doch
der Weg ist wie immer sehr viel weiter als es aussieht. Wieder
einmal rettet die Schadenfreude den Tag: Einem Mann vor uns
bricht der Griff vom Koffer ab. Nicht so genial wie die zerplatzte
Melone doch sicher ein Schmunzeln Wert. Ein paar Meter weiter
verkauft ein Mann an der Strasse (neue) Koffer. Seltsamer Zufall.
Suzhou hat zwar 3 Millionen Einwohner wirkt jedoch wie eine
einzige große Touristenfalle. Überall, also alle
drei Meter, stehen Leute die einem etwas andrehen wollen. Lookie-lookie,
lookie-lookie sagen sie alle. Mein Lieblingssatz. |

Suchbild |
Wir
besichtigen eine große Pagode, den Garten des Meisters
der Netze welcher vor allem durch die Abwesenheit von Touristen
glänzt und den Tigerhügel. Der Tigerhügel ist
am besten mit dem Taxi zu erreichen und wirklich sehenswert.
Er ist Parkähnlich gestaltet bietet jedoch sehr schöne
abwechslungsreiche Naturthemen. Vom Wasserfall bis zu hunderten
von Bonsaibäumchen ist alles vertreten. Im Zentrum steht
eine riesige alte Pagode (chinesischer Turm) welche man innerhalb
von Sekunden durchläuft. Dafür anzustehen lohnt auf
gar keinen Fall. Meiner Meinung nach ist Suzhou schön aber
den Aufwand nicht Wert. Situationsabhängig. |

Kanal in Suzhou |
Wir
wollen wieder heim und lösen ein Ticket am Bahnhof. Wir
zeigen zwei Finger und sagen Shanghai. Die Frau stellt chinesische
Fragen aber hat scheinbar verstanden. Wir bekommen diesmal die
Tickets für nur 13y und haben dafür auch noch ne Sitzplatzreservierung.
Statt 50 Minuten fahren wir 60. Wie sich die Preise in China
errechnen bleibt uns ein Rätsel. Auf der fahrt werden wir
von einem Verkäufer (lookie-lookie) und lustigen Käufern
entertaint. Immer wieder stelle ich fest dass trotz riesiger
Kulturunterschiede zwischen allen Menschen immer gewisse Basisgemeinsamkeiten
bestehen. Die erwachsenen Chinesen treiben Unfug mit dem gekauften
(faszinierendem) Spielzeug und wir können mitlachen. |

Billardtisch im Hostel |
Abends
wollen wir Luxus also gehe ich zum McDonalds, werde (wegen meinem
Aussehens) an einen englisch sprechenden Kassierer verwiesen
und kaufe so zwei Maxi Menüs für 32y (3 Euro). Glücklich
hüpfe ich wieder ins Getümmel uns staune über
die Massen an Menschen. So oft ich es versuche. Man kann es
einfach nicht in Worte fassen.
Wir
machen uns Freunde im Hostel. Ich habe gestern unser Klo verstopft
und jemand musste kommen und das richten. Peinlich peinlich.
Heute haben wir dann nachdem wir uns nach einer gewonnenen
Kickerrunde (und getrunkenem Bier) als die Champions erklärt
hatten unsere Badtür von außen versehentlich gesperrt.
Also wiedermal jemanden rufen der uns aus der Patsche hilft.
"Die Frau an der Rezeption hat mich angeschaut wie ein Mondkalb".
Gut das wir morgen abreisen =)
|

Shanghai Urban Exhibition Center |
2006.08.09
Heute
ist check out. Ich hänge die Wäsche ab und wir packen
unseren Kram zusammen. Checkout und luggage leaving funktioniert
reibungslos. Wir müssen die Zeit bis zum Nachtzug totschlagen
und gehen zum Shanghai Urban Exhibition Center. Recht interessant
ist die Virtuelle 360 Grad Vorführung in welcher man durch
Shanghai fliegt. Später sprechen ins mitten auf dem Platz
zwei Touris an, stellen tausend fragen und wollen dass wir mit
ihnen Tee trinken gehen. "We wanna stay for ourselves, sorry".
In einer Bäckerei "christine" kaufen wir die Puddingstückchen
und was neues Unbekanntes. Davon bekomme ich Würgreiz denn
es schmeckt mehr als eklig. Meine Darbietung hatte Tezz einen
schlimmen Schock versetzt.
Im
Hostel organisiert man uns sehr freundlich ein Taxi, erklärt
der Fahrerin wo wir hinwollen, bringt unser Gepäck zum
Auto und wir kommen schnell zum Bahnhof. Ich kaufe endlich
endlich eine chinesische Chip und bin glücklich. Mit
der Fahrkarte bekommen wir zutritt zum Bahnhof, unsere Taschen
werden gescannt und wir setzen uns zum warten ans Gate. Nach
dem Boarding hoffen wir auf zwei ertragbare Menschen im vierer-schlafabteil.
|

Soft Sleeper sind ihren Preis wert |
Kevin
und Mimi sprechen englisch, sind mitte zwanzig und echt die
beste Gesellschaft die wir uns wünschen konnten. Der Zug
wird die ganze Nacht Richtung Peking fahren und wir lassen uns
von ihnen Peking Bilder auf dem Notebook zeigen und tauschen
MP3s aus. Ich liebe technikbegeisterte Menschen die mal schnell
einen SD-Slot zur Hand haben. Im Zug gibt es Strom, heißes
Wasser für Instant Nudeln, ein kostenloses Abendessen (wie
im Flieger), eine Bar, gemütliche Betten, Lautstärkeregler
fürs Radio, Leselampen, Kleiderbügel, Klimaanlage,
einen kleinen Tisch und eine abschließbare Tür. Zufriedenstellend.
Tezz rechnet aus dass wir heute seit Ankunft am wenigsten ausgegeben
haben während ich schon wieder mit dem Gedanken spiele
ein Bier zu kaufen. Wenn wir morgen um sieben ankommen will
Mimi uns mit ihrem chinesisch eine Karte nach Hangzhou besorgen. |

Red Lantern Hostel Peking |
2006.08.10
Wir
schlafen so fest wie Steine als eine Chinesin reinplatzt und
verkündet dass wir in zehn Minuten in Peking sind. Aus
Rückfahrkarte kaufen wird nichts da wir kaum Bargeld haben.
Das Gedränge am Bahnhof ist riesig und sehr anstrengend.
Wir wollen mit dem Taxi zum Hostel aber die Fahrer schütteln
alle die Köpfe. Also nehmen wir die Ubahn. 30 Minuten schwitzender
Horror.
Dank Beschreibung finden wir trotzdem relativ gut zum Hostel.
Es ist ein bisschen abgelegen aber wirklich sehr schön!
Peking ist lange nicht so modern wie Shanghai. Das Licht flackert
und die Fernbedienung für die Klimaanlage fehlt. Aber
wir sind froh endlich einen Platz zum schlafen und Privatssphäre
zu haben. Das Hostel ist in chinesischem Style gehalten. Ein
alt wirkender Bau aber sehr gepflegt. Die Mücken hier
scheinen etwas agressiver denn an meinem Bein entwickelt sich
schnell eine kleine Beule. Tezz verarztet mich professionell.
|

Schnell herrscht Unordnung |
Es
ist erst zehn Uhr morgens doch wir sind todmüde. Ich werde
duschen und bei der neuen Musik von Kevin aus dem Zug einschlafen.
Während dem Soundtrack von Oceans 12 fängt es an zu
regnen. Wir haben lange keinen Regen mehr gesehen und verlassen
begeistert das Zimmer. Die bassstarke Anlage vom Hostel beginnt
chinesische Instrumentalstücke zu spielen und ich beobachte
wie der Regen auf die geschwungenen Dächer prasselt. Ich
muss spontan an den Film Hero denken und fühle mich in
eine längst vergangene Dynastie zurück versetzt. Ich
begreife warum dieses Hostel zu Asiens Nummer 1 gewählt
wurde. Hierher hat es der sonst allgegenwärtige westliche
Einfluss noch nicht geschafft. |

Musik, Essen, Besteck |
Es
ist echt wunderschön hier. Wir verbringen den Tag im Bett,
lauschen der Musik die durch unser Zimmerfenster hereinströmt
und schmökern im Reiseführer. Diese Location ist definitiv
mehr als 11 Euro die Nacht wert. Wir teilen einen Innenhof mit
Tischen, einer Bar und haben endlich Ruhe. Keine Motoren oder
nervige Walkie Talkies. Wäre ich ein alter Mann würde
ich gleich hier bleiben. Die Shanghaier Hektik hatte schon ihren
Reiz, aber jetzt wo wir hier in Peking sind merken wir wie ausgebrannt
wir sind.
Bei
Dämmerung werden im Innenhof die roten Ballonlampen entzündet.
Außerdem ist eine bunte Lichterkette zwischen den Dächern
gespannt. Überhaupt spielt sich hier alles draußen
ab. Das ist besonders toll da man so schnell mit den anderen
ins Gespräch kommt und sieht einfach prächtig aus.
Der anfängliche Stress ist hier schnell vergessen. Kleine
Kätzchen turnen im Hostel rum und miauen immer wenn man
ihren Namen ruft. Sehr lustig.
|

Njam Njam |
Wir
machen unsere tägliche Runde durch einen Supermarkt und
staunen erneut über die günstigen Preise. Abends trauen
wir uns in unser zweites chinesisches Restaurant. Man versteht
uns kaum, ist aber sehr freundlich und bringt uns eine Karte
mit großen Bildern. Wir entscheiden uns für Kartoffelscheiben,
Reis mit Beef und Apfelsaft. Wir bekommen Salat, geraspelte
Karotten, lustige Loco Rocos, scharfes Gemüse, eine Schale
Reis, einen Teller gyrosartiges Beef mit Sesam, vier Melonenscheiben,
eine Flasche Apfelsaft und zwei Eis am Stiel. Unsere Kartoffelscheiben
werden am im Tisch integrierten Grill von der Bedienung über
glühenden Kohlen zubereitet. Das ganze kostet uns insgesamt
nur 7 Euro. Wir Speisen wie die Könige und sind - im Gegensatz
zu unserer letzten Erfahrung mit chinesischem Essen - sehr,
sehr begeistert. Wir kommen bestimmt wieder. |

Wir sind reich |
2006.08.11
Ich
habe jede Nacht verspulte Träume. Wahrscheinlich weil das
Hirn soviel zu verarbeiten hat. Wir gehen zur Bank und warten
wieder ne halbe Stunde bis unsere Traveller Checks endlich eingetauscht
sind. Das ist scheinbar jedes mal ein riesen Aufwand für
die Bank. Der kleinste Schein ist 5 Cent wert und der größte
10 Euro. Also kriegt man immer einen Riesenbatzen Geldscheine
was sich positiv auf das Ego auswirkt =) Wir kaufen an der Central
Station unsere Nachtzugtickets nach Shanghai. Das ist auch hier
ein riesen Stress weil es so unglaublich laut und eng im Ticket
Office ist. Nach einer halben Stunde ist es endlich vollbracht
und wir verlassen lebend und mit zwei Tickets dieses Schlachtfeld. |

Die verbotene Stadt |
Wir
laufen zum Tian anmen Square - dem größten Platz
der Welt - und betreten von dort aus die verbotene Stadt. Wir
hatten die Größe der verbotenen Stadt völlig
unterschätzt und sind schnell müde und hungrig. So
macht das ganze kaum Spaß und wir machen uns am McDonalds
vorbei zurück zum Hostel. In der Ubahn ist das beeindruckendste
die Werbung. Während in Shanghai noch Monitore hingen die
3D-Bilder erzeugt haben (wie 3D-Kino nur ohne Brille) sind in
Peking viele Tafeln im Schacht angebracht die dann beim vorbeibrausen
mit der Ubahn wie beim Daumenkino ein Video ergeben. Sehr geil
für Technik-Begeisterte. |

Sitzplätze in der Ubahn sind selten |
Tezz
ist hier der Star. Da hier 99% aller Menschen schwarze Haare
haben fällt ihr blondes Engelshaar natürlich sofort
auf. Oft wird sie gefragt ob es Naturfarbe oder Blondierung
sei. So oder so fallen wir in der Menge auf wie bunte Hunde.
Die Chinesen scheinen dem westlichen Style nachzueifern. In
der Werbung sieht man oft zwei Chinesen die ein Produkt entdecken
oder erklären und zum Beweis dass es auch wirklich gut
ist werden danach noch zwei westliche Menschen gezeigt die das
selbe Produkt benutzen. Generell schätzt man unsere Wünsche
beim einkaufen oft falsch ein. Meistens kriegen wir bei der
Verständigung mit Hand und Fuß erstmal das falsche
gebracht bevor wir das richtige bekommen. Manche Chinesen sind
schlau, schauen sich meine Klamotten an und halten mir ähnliche
zum Angebot hin, andere bringen mir Zeug dass ich nie kaufen
würde. |

Touriherden |
Die
Verkaufstaktik hier ist ziemlich offensiv. Man muss dauernd
nein sagen und wird immer von einem persönlichen Aufschwatzer
begleitet. Fast wie wechselnde Bodyguards. Selten kann man sich
in Ruhe umschauen oder erklären dass man nur schauen möchte.
Gerade hier in Peking sprechen uns oft Leute an die etwas mit
uns unternehmen wollen. Wir ignorieren sie bis sie aufgeben.
Wirklich aufdringlich sind die Leute ja nicht aber irgendwann
geht's einem schon auf die Nerven. Ich frage mich oft wieviele
Touris pro Tag wohl auf die Masche reinfallen und eine Rolex
kaufen oder einen chinesen zum Teetrinken begleiten. Da diese
Abzocker überall sind scheint das Geschäft ja ganz
gut zu laufen. |

Im Hostelvan zur großen Mauer |
2006.08.12
Don't
believe him. It's hard! Der Wecker läutet viel zu früh
die Halbzeit ein. Wir latschen müde zur Frühstücks-Bar
und ordern westliches Essen. Unsere dreckige Wäsche liefern
wir an der Rezeption ab. Eine halbe Stunde später trifft
unser Fahrer ein aber das aufs Essen warten wir immer noch.
Den Rest essen wir dann wegen großer Eile im Van. Wir
fahren zwei Stunden durch Stadt (Hup Huup) und Land und durch
arme Dörfer in denen noch Tiere bei der Arbeit helfen.
Sobald man die Großstadt verlässt verschwindet der
Luxus und von Lebensqualität ist nichts mehr zu sehen.
Die Menschen leben in Hütten welche durch ungeteerte Straßen
verbunden werden. Kinder helfen auf den Feldern das nötige
Kleingeld zum überleben zu verdienen. |

Auf der Mauer |
An
der großen Mauer angekommen ist es ähnlich wie an
der Zugspitze. Man muss erstmal weit nach oben. Zur Auswahl
stehen die Füße, ein Sessellift oder eine Seilbahn.
Tezz sagt "Wenn, dann richtig" Also laufen wir hoch. Unser toller
Fahrer meint man bräuchte 40 Minuten wenn man gut trainiert
ist. Auf dem Weg treffen wir einen Esel.
Eine
Viertelstunde Später stehen wir oben vor der Mauer und
sind mehr als verschwitzt. Wir laufen dann drei Stunden auf
der Mauer entlang welche stellenweise so steile Treppen hat
dass man die Hände zu Hilfe nehmen kann. Sie ist gigantisch.
Die Treppen sind seitlich abfallend damit der Regen auf Chinas
Seite fließt. Beim laufen muss man wegen der Unregelmäßigkeiten
ständig auf den Boden schauen aber das macht nicht viel
aus da man Aufgrund des ständigen Nebels eh nicht weit
schauen kann. Ich schwitze wie in meinem Leben noch nie. Schweißtropfen
fallen von meiner durchnässten Hose auf den Boden. Wir
tragen dank Kevins Ratschlag Turnschuhe. Mit FlipFlops wären
wir schon beim Aufstieg gestorben. Wir vernichten jede Stunde
einen Liter Wasser. Das schwitzen ist wirklich extrem, aber
es lohnt sich trotzdem. Lookie Lookie - Die Preise für
Wasser schwanken zwischen 30 Cent und 7 Euro.
|

Mit dem Bob ins Tal |
Dann
machen wir uns auf den Weg zur Bobbahn. Dort kann man den ganzen
Weg ins Tal hinunterrodeln. Ich übertreibe es am Anfang
und falle fast heraus. Ein Reflex lässt mich auf die Bahn
greifen und ich knicke um. Nichts passiert. Auf der restlichen
Strecke werde ich dauernd wegen zu schnellem fahren ermahnt.
Der Spaß des Tages.
Wir sitzen wieder mit den anderen im Van und sind schon wieder
die einzigen die reden und lachen. Die Verkehrssituationen
die unser Fahrer meistert sind einen Orden wert. Ich halte
mich für einen recht guten Fahrer, aber hier würde
ich mich auf keinen Fall ans Steuer setzen.
|

Nach dem Essen |
Wir
suchen ein chinesisches Restaurant zehn Minuten vom Hostel entfernt
auf. Auch hier gibt es eine Karte mit Bildern und wir bestellen
Mais, Frühlingsrolle und frittierte Augen. Wir bekommen
die kältesten, schärfsten und ekligsten Gemüserollen
die ich je gegessen habe, verwürzten Mais mit püriertem
Hirn (oder Hundefutter) und chickenMcNuggets mit Süß
sauer Soße. Ich bin am verhungern und esse von allem ein
wenig. Ich gehe zu einem Tisch auf dem Reis steht, winke den
Kellner her und zeige darauf. Yuhuu endlich was gescheites.
Dezent versuchen die Kellner eine Fliege zu erschlagen die um
unseren Tisch surrt. Unsere Teller sind noch fast voll, wir
zahlen und verlassen schnell den Laden. |

Trocknende Wäsche im Hostel |
Ich
beschließe diese Woche genug Sport gemacht zu haben und
dusche 20 Minuten. Ich bin fertig, doch Tezz muntert mich schnell
wieder auf. Ohne sie würde mir dieser Urlaub kaum Spaß
machen. Wir sehen ab und zu Leute die alleine Reisen, glücklich
sehen die aber nicht aus. Obwohl wir im Hostel super leicht
Anschluss finden würden sind wir abends froh für uns
zu sein.
Im Hostel kaufe ich einen Liter Bier für 50 Cent und
lege mich entspannt ins Bett. Wie schon gesagt knallt das
Bier ganz schön und bringt uns zu lauten Lachattacken.
Tezz schreibt mit einem Stift in ein Real-Life Heft und spielt
dann Sudoku auf einem Real-Life Block.
|

Tiger Screen im Behai Park |
2006.08.13
Regen
regen regen. Wir lassen uns nach nem Topf Instant Nudeln zum
Behai Park fahren doch der Regen wird immer schlimmer. Wir bekommen
zwanzig Minuten lang kein Taxi und kaufen dann durchnässt
zwei Regenschirme für runtergehandelte zwei Euro. Tezz
behält den türkisen und gibt mir den rosanen. Rache.
Im
Hostel lassen wir uns von Dorr - einer etwa 15-jährigen
netten Chinesin - einen echten Tee mit Blätterzeugs machen.
Schmeckt gut, tut gut. Im Hostel gibt es außer den zwei
kleinen Katzen noch Roger den Hund. Der ist lustig. Irgendjemand
spielt im Innenhof ein chinesisches Streichinstrument während
es regnet. Es ist genau wie bei dem Kampf im Regen bei Hero.
Außer Regen lässt sich nicht viel berichten. Er
ist relativ warm, läuft schlecht ab und bildet riesige
dunkle Pfützen. Taxen nehmen scheinbar lieber trockene
Leute und sind plötzlich Mangelware.
|

Hurray Bread Talk |
2006.08.14
Heute
war der beste Tag seit wir in Peking angekommen sind. Wir sind
total hungrig aufgewacht und Tezz hat leichte aggro Anfälle
außerdem hört das Gemecker nur selten auf. Ne, nur
Spaß, natürlich zieht sie mich in die Ubahn und schleift
mich zur Wanfuijing, dem Puls Chinas. Kurz vorm Hungertod -
man sollte nie ohne Frühstück aus dem Hostel gehen
- entdecke ich einen Laden namens Bread Talk. Dort gibt es die
leckersten und besten Gebäckstücke auf der Welt. Ich
kaufe ein Hörnchen mit Käse-schinken-füllung,
eine Art Hot Dog, einen Krapfen mit Erdbeer und Sahne drin,
ne Apfeltasche, ein Zuckerstückchen. Nach dem essen nehmen
wir uns noch mal fünf Sachen mit auf den Weg. Bread Talk
ist scheinbar eine Kette und man sollte sie bei Sichtkontakt
asap aufsuchen - wirklich. |

I'm singing in the rain... |
Die
Motivation ist plötzlich auf dem Höhepunkt. Das Wetter
ist angenehm kühl - ein Zeichen für kommenden Regen
- und wir laufen grinsend die Einkaufsstrasse entlang. In einem
Bookstore finden wir (nach tagelanger suche) drei Blöcke
und in einem Souvenirladen eines der goldenen winkenden Kätzchen
für Tezz. Wir laufen durch den vom Reiseführer empfohlenen
Foreign Language Bookstore doch mehr als ne Klimaanlage kann
der nicht bieten. Die restliche Zeit verbringen wir auf Klamottensuche
in den Malls. Tezz lässt sich von Verkäuferinnen in
ein Kosmetik-test-beratungs-gespräch zerren und ich stelle
fest dass es im Pizza Hut keine Slices verkauft werden. |

Unser Ausblick |
Mit
der ewig lahmen Ubahn geht's zurück zum Hostel und ich
schlafe sofort ein. Generell könnte ich dauernd schlafen,
wenn wir mehr Zeit hätten wäre jetzt der richtige
Zeitpunkt mal einen Tag nichts zu tun. Doch ich wache ne Stunde
später auf, piekse Tezz mit einer Gabel in den Hintern
und wir beschließen Abendessen zu gehen. Kane - als Hostelmensch
und Insider der wichtigste Mann in unserem Leben - beschreibt
uns den Weg zur nähesten Peking-Ente. Wir finden dank bildhafter
Beschreibung sehr gut hin aber Bestellung aufgeben ist sehr
schwierig. Nach langem hin und her liegen ein paar Stückchen
Ente mit halb fertig gebackenen (gedämpften) Brötchen
und ein Pitcher Eistee auf dem Tisch. Der Hunger ist groß
und es schmeckt nicht schlecht. Der Spaß kostet insgesamt
36 Yuan (3,6 Euro). |

Chip auf chinesisch |
Die
tägliche Dusche tut wie immer gut. Im Bett hören wir
wie Kane auf einem chinesischen Streich-Instrument schöne
Lieder spielt. Das hat Style. Kane hat überhaupt meinen
Respekt. Er ist immer freundlich, erledigt grundsätzlich
mehrere Sachen auf einmal, weiß über alles bescheid
und spricht das beste Chinesenenglisch dass ich die letzten
zwei Wochen gehört habe. Die Ansprechpartner im Hostel
spielen eine ziemlich wichtige Rolle in unserem Urlaub. Ohne
die geht so gut wie gar nichts und sie erledigen mehr als man
erwartet. Man muss nur fragen. Kane schläft nur vier Stunden
die Nacht (von 01 bis 05) und nimmt sich wirklich sogar während
dem Essen für uns Zeit. Das Red Lantern ist zwar nicht
so modern wie das central Utel in Shanghai (kein Fernseher,
keine Duschwand, keine Chipkarte) aber halt einfach zum Wohlfühlen. |

Ruhiger als Shanghai |
2006.08.15
Franzosen.
Man fliegt 13 tausend Kilometer vor ihnen davon um eines lieben
morgens von ihnen aus den Träumen gerissen zu werden weil
diese nervigen Idioten im Nachbarzimmer lautstark eine Kreissäge
imitieren müssen. Gleich aufs Mowl oder später?
Wir
ziehen am Automaten in der Bank eine Nummer (der grüne
von den vier Knöpfen) und warten 60 Minuten(!) bis wir
endlich unsere Traveller cheques umgewandelt haben. Genervt
und sehr hungrig verlassen wir die Bank und holen im Hostel
unsere gewaschenen Klamotten ab. Es ist mittlerweile 11 und
es gibt kein Frühstück mehr im Hostel. Ärgerlich.
Also McDonalds. Wir bestellen zwei Maximenüs für
vier Euro und finden nach kurzer Wartezeit auch einen Platz.
Die Laune bessert sich.
|

Eine volle Ubahn |
In
der Ubahn ist es brechend voll und ich zermalme zwei kleine
Kinder. Tut mir leid aber geht einfach nicht anders. Die Securities
drücken die Leute die noch draußen stehen mit Gewalt
in den Wagon und die Türen schließen sich. Wir fahren
ein paar Stationen. Beim aussteigen wird eine junge Frau ohnmächtig
wird aber durch die enge Masse nach draußen gequetscht
und klatscht dann neben mir ungebremst auf den Bahnsteig. Sieht
tot aus. Ein Security sieht sie, und rennt irgendwohin. Außer
zwei Frauen und uns interessiert sich niemand dafür. Nach
dreißig Sekunden am Arm herumstochern kommt sie wieder
zu sich und trinkt ein bisschen von unserem Wasser. Der Security
kommt mit einem Stuhl wieder. Wir können nichts mehr tun
und verlassen den Schauplatz. In Bussen soll es angeblich noch
härter zugehen. |

Das gecrashte Boot |
Wir
sind an der Station Military Museum und wollen mit dem Boot
durch einen Kanal zum Sommerpalast fahren. Die Boote fahren
alle volle Stunde. Wir suchen das Ticket Office bis wir um 12
ein Touristenboot ablegen sehen. Mist. Um 12:03 lösen wir
zwei hin und rück Tickets für 160 yuan. Die alte Frau
an ihrem kleinen Grilltisch spricht in ein Walkie Talkie, das
Boot dreht rum und wir dürfen über das Geländer
auf das treibende Boot springen. Nach diesem Waghalsigen Stunt
arbeiten wir uns an der Außenseite an einer Reling klammernd
bis zum Innenbereich vor. Die anderen (chinesischen) Touris
schauen uns entsetzt an. Wir könnens selber nicht glauben. |

Tote Fische und Chinesen |
Die
Fahrt geht zu 90% an Baustellen vorbei, im trüben Wasser
schwimmen tote Fische und lebende Chinesen und der netten Erzähltante
hört niemand zu. Sie spricht eh nur chinesisch. Die Fahrt
ist ihr Geld nicht wert. Auch die optionale Kurzversion nicht.
Wirklich interessant ist allerdings das Andockmanöver.
Unser Captain hat das Bootfahren nie gelernt und bremst das
Boot indem er relativ heftig in die Wand rammt. Ich hätte
nicht gedacht dass ein Boot einen so heftigen Schlag aushält. |

Der See am Sommerpalast |
Der
Sommerpalast (je 30y) ist sehr schön wobei ich ihn eher
Sommerpark genannt hätte. Er ist riesig, führt um
einen See und die abzweigenden Attraktionen wollen extra bezahlt
werden. Vorher im Hostel fragen was sehenswert ist wäre
gut gewesen. Zum Sonnenuntergang wird der See in goldenes Licht
getaucht und Bäume reflektieren glänzend die Sonnenstrahlen.
Bis dahin sind auch die meisten Touris wieder fort. Die Runde
um den See ist aber anstrengend genug und wir fahren danach
mit dem Taxi für 30 Yuan wieder zum Hostel. Die schon bezahlte
Rückfahrt mit dem Boot zum Subway ist um 18 eh schon verpasst
(16:30 wärs gewesen). |

Busse sind immer überfüllt |
Also
in Peking ist meiner Meinung nach das Taxi das beste Fortbewegungsmittel
weil das Ubahnnetz veraltet, anstrengend ist. Allerdings kosten
die meisten Fahrten nur drei Yuan. Wer einmal von außen
in einen mit Chinesen vollgestopften Bus geschaut hat läuft
lieber. Die Mühe den Plan zu verstehen haben wir uns nie
gemacht. Selber mit Fahrrad oder Auto zu fahren sollte man so
oder so nicht. Die mehrstöckigen Strassen verwirren das
Navi, die Verkehrsschilder versteht man nicht und wer deutschen
Verkehr gewöhnt ist kommt hier eh keine hundert Meter ohne
Blechschaden voran. Rikschas sind eher Touriabzocke. |

Gitter im Taxi |
Bei
den Taxen sollte man die Leute die auf einen zukommen ignorieren.
Abzocker. Taxen die warten, oder im Verkehr fahren sollten beim
Beifahrersitz eine Seriennummer mit Bild des Fahrers haben und
lassen sich (zumindest wenn man trocken ist) innerhalb von ner
Minute auftreiben. Vor dem losfahren (wenn möglich vorm
einsteigen) zeigen wir dem Fahrer die Visitenkarte mit der chinesischen
Adresse des Zielorts und (wenn möglich) den Ort auf einer
Deutsch/chinesischen Straßenkarte. Englisch versteht wirklich
keiner. Nichtmal ein bisschen. Selbst "Okay, yes, no" ist meist
nicht drin. Nickt der Fahrer steigen wir ein und der Fahrer
stellt den Zähler an. Eine große 10 (yuan in Shanghai
11) erscheint im Radiodisplay oder einem roten extra Zähler
und der Anfang einer Quittung wird gedruckt. Manchmal wird der
Zähler erst eingeschaltet wenn der Wagen durch Einbahnstraßen
in die richtige Richtung gewendet ist. Keine Seriennummer oder
Pauschalpreise ohne Zähler sind Abzocke und ein Grund zum
sofortigen Aussteigen, sind uns aber noch nicht begegnet. Die
Fahrer bringen uns immer ohne Umwege und ziemlich günstig
ans Ziel. In Shanghai kommt man mit der Metro eigentlich ziemlich
gut und komfortabel überall hin. |

Chinesische Packkunst |
2006.08.16
Ich
werde von einer spielenden Gitarre geweckt. Ein guter Tag. Die
gesammelten Mückenstiche werden eingeschmiert, eine Vitamintablette
mit Wasser runtergespült, die geschundenen Hände verarztet,
die Bierflaschen aus dem Weg geräumt und auf die Uhr geschaut.
Langsam kommen wir in den verschobenen Zeitrythmus rein. Anfangs
sind wir gegen 14 Uhr aufgewacht und um 3 eingeschlafen. Jetzt
ist es 8.
Unser
letztes drittel bricht an. Wir fangen das Packen an und stellen
fest dass die Koffer immer voller werden. Die Zeit bis zum
Check-Out nutzen wir bis zur letzten Minute indem wir faul
rumliegen. Central Station ist ja bekanntlich sehr kräftezehrend.
Den restlichen Tag schauen wir fern und chatten per Skype.
ICQ, AIM und so sind auf den Rechnern nicht installiert. Nur
MSN und Skype. Im Hostel gibt es ein Sourround System und
massenweise aktuelle Kinofilme (fluch der Karibik 2) auf DVD.
Wahrscheinlich rips ausm Netz. Diese Rips werden auch in vielen
Läden für 15y verkauft.
|

Hauptbahnhof |
Wir
brauchen 50 Minuten vom Hostel zum Platform Gate und warten
dann genervt an der Station rum. Kinder knien vor uns nieder
und betteln um Geld. Diesmal habe ich Bier im Supermarkt gekauft
weil die Preise im Zug zehnmal so hoch sind. Wir haben wieder
ein Soft Sleeper Bett (gemütlicher als Hostel) und teilen
das Abteil mit zwei älteren Chinesen die sogar englische
Einzelwörter verstehen. Die Betten sind besser als im Hostel
und ich schlafe vorm Bier schon fast ein.
Es
stellt sich heraus dass das Chinesenpäarchen auf dem
Weg nach Shanghai ist um von CCTV interviewt zu werden. Der
Mann hat 10 Jahre an Maos Seite gearbeitet und die Frau ist
angeblich eine in China bekannte Regisseurin für Dokumentarfilme.
Zum 30. Todesjahr Maos soll sie über eine ihrer Dokus
über Mao reden. Sie bringt mir bei auf Chinesisch bis
10 zu zählen und wir lachen recht viel.
|

Wie in Deutschland |
2006.08.17
Nach
einer Nacht mit wenig schlaf stolper ich aus dem Zug. Wir müssen
den Shanghaier Bahnhof verlassen, in der Schlange stehen, zwei
Tickets nach Hangzhou (je 33y) am englischen Schalter lösen
und wieder einchecken. Ticketkontrolle, Taschenkontrolle, Platform
finden. Eine Stunde Wartezeit.
In einem öffentlichen Bad der Wartehalle putze ich mir
bei den Kakerlaken die Zähne. Neben mir bereiten sich
Chinesen beiden Geschlechts Instant Noodles oder duschen.
Hurrah. Mir ist mittlerweile alles egal. Ich hab mir in einem
Laden die leckeren Instant Noodles gekauft bei denen man das
Wasser vorm essen wieder abgießen muss. Die sind tausendmal
besser als die Suppen die ihren Geschmack verlieren wenn man
das Wasser abgießt. In Peking gab’s die leckeren
leider nicht also kaufe ich gleich acht Stück und bereite
für Tezz und mich zwei zu. Neben den Kakerlaken. Als
ich an meinen Platz zurückkehre fährt mir ein Spasti
mit seinem schwulen Trolley über den Flipflop Fuß.
|

Erste Klasse |
Die
Chinesen haben ein ganz schlimmes Laster. Die ewige Drängelei.
Im Zug hat jeder eine automatische Sitzplatzreservierung. Aber
wenn sich das Gate eine halbe Stunde vor Abfahrt öffnet
bricht die Hölle los. Als ob es der letzte Zug aus einem
radioaktiv verseuchtem Gebiet wäre. Wer hier seine Ellbogen
nicht ausfährt stirbt langsam. Dutzende Koffer rollen über
meine Füße, die Masse drängt mich von hinten
an die Gitter und jede alte Frau die sich nicht an mir vorbeidrängeln
kann tut so als ob ich ihren Enkel getötet hätte.
Das geht echt auf die Nerven. Am besten abseits sitzen bleiben
und die Masse drängeln lassen. Zum gechillten Einsteigen
bleibt später noch genug Zeit. |

Viele Instant Noodles |
Instant
Noodles sind hier ein wichtiges Thema. So gut wie jeder Chinese
hat welche, sie sind überall zu kriegen, günstig und
teilweise lecker. Man sollte bei Ankunft in China von jedem
Hersteller eine kaufen und sich merken welche einem am besten
schmeckt. Die Packungen sind an den Abbildungen leicht wieder
zu erkennen. Ich finde die grünen Suppentellerförmigen
mit dem Gemüse und dem Basketballspieler drauf mit Abstand
am besten. Heißes (Trink)Wasser ist eigentlich überall
zu kriegen und daran zu erkennen dass es dampft.
In
der Packung liegt immer eine Gabel, zwei Soßen und was
zum streuen. Die Reihenfolge des hinzugebens ist durch einschalten
des Hirns leicht zu herauszufinden. Bei den Suppen das Pulver
und Soßen zuerst. Bei denen ohne Wasser holt man die
drei Päckchen und die Gabel raus, gibt Wasser hinzu und
lässt das ganze vier Minuten ziehen. Dann verbrennt man
sich beim abgießen des Wassers die Finger, gibt die
Soßen und Gemüse hinzu rührt um und lässt
es sich schmecken.
|

Gesperrtes Gleis |
Wir
fahren ein paar Stunden mit dem Express Zug nach Hangzhou. Umso
weiter wir uns von Shanghai entfernen umso kleiner werden die
Häuser. Die Gegend wird ländlicher. Es ist wie eine
Zeitreise in die Vergangenheit. Viele primitive Hütten
sausen an uns vorbei, Menschen arbeiten mit Werkzeugen auf Feldern.
Stromleitungen werden seltener. Kevin hat erzählt dass
in den ländlichen Gegenden die Leute nur dreimal im Leben
duschen können. Zur Geburt, zur Hochzeit und zur Beerdigung.
Der Unterschied von Stadt zu Land ist gigantisch. Ähnlich
muss es in Deutschland vor langer langer Zeit auch mal ausgesehen
haben. |

Int. Youth Hostel Hangzhou |
Hangzhou
hat 5 Millionen Einwohner und so geht's am Bahnhof auch zu.
Wiedermal wuseln tausende Chinesen um uns rum. Wir stehen ne
halbe Stunde am (scheinbar einzigen) Ticketschalter an doch
der macht dann einfach Mittagspause bevor wir dran sind. Ich
bin wütend.
Ein
Taxi bringt uns zum Herzstück Hangzhous - dem West Lake.
Dort liegt auch unser Hostel. Die zweier Zimmer für 220y/Nacht
(je 11 Euro) haben ein Bad mit Klo und Badewanne, einen Wasserkocher,
Hausschuhe, DVD-Player, TV, Telefon und natürlich Klimaanlage
mit Fernbedienung. DVDs kann man gegen Pfand kostenlos leihen.
Wir lassen uns Frühstück machen (Kartoffelauflauf)
und leihen dann Mr and Mrs Smith aus. Der öffentliche
Bereich besteht aus einem gemütlichen Raum mit riesen
Fernseher und Esstischen und einer Veranda mit Wasserfall.
Sehr schön. Wir schauen den leicht zerkratzten Film in
unserem Zimmer und schlafen fast ein. Gegen Sonnenuntergang
gehen wir am See entlang und decken uns dann im Supermarkt
ein. Wir schlafen vor Mitternacht auf den harten Matratzen
ein.
|

Captain Jack Sparrow |
2006.08.18
Der
Tag beginnt mit Bread Talk Frühstück fünf Minuten
vom Hostel entfernt. Die Sachen sind so lecker dort. Njamnjam.
Wir können unsere trockene Wäsche abhängen und
glücklich anziehen.
Nach einem kleinen Mittagsschlaf wollen wir Fahrräder
im Hostel leihen doch die sind schon alle weg. Also laufen
wir im Uhrzeigersinn um den See. Nach zehn Minuten mieten
wir ein motorisiertes Boot (20y) und tuckern in einem abgegrenzten
Bereich über den See. Wir kommen mal wieder an einer
Pagode vorbei. Im Eingangsbereich liegt ein schönes Becken
mit hunderten von Schildkröten darin. Wir laufen stundenlang
weiter um den See und setzen uns zum Sonnenuntergang auf eine
Bank.
|

Ego-Boost |
Eine
Chinesin fragt Tezz ob sie ein Foto zusammen mit ihr vorm Sonnenuntergang
machen darf. Sie halten sich wie alte Freunde an der Hand und
lassen ein Foto machen. Danach kommen zwei freundlich Männer
vorbei und wollen auch ein Foto mit ihr. Ich hatte zuerst auf
Trickdiebe getippt aber es scheint normal zu sein. Manchmal
fühle ich mich wie ein Promi. Die Chinesen auf der Strasse
sagen im vorbeigehen Hallo und schauen einem hinterher. Wie
kleine Kinder freuen sie sich wenn wir zurückwinken. Dabei
sind Westler hier gar nicht so selten. Wir sehen bestimmt zehn
pro Tag außerhalb des Hostels. Tezz ist auf jeden Fall
Angelina Jolie und ich bin Brad Pitt. |

Paradies auf Erden |
Wir
umrunden den Rest des wirklich schönen Sees und genießen
die Ruhe. Endlich Platz. Nach einiger Zeit treffen wir wieder
auf die der Stadt zugewendeten Seite des Sees wo es dann auch
wieder vor Chinesen nur so wimmelt. An einem bestimmten Platz
schauen besonders viele Chinesen auf den See und wir stellen
fest dass hier gleich was Größeres passieren muss.
Um 19:30 als die letzen Strahlen der Sonne hinter dem Berg verschwunden
sind beginnt eine mit Musik untermalte Fontänenshow im
Wasser. Vier Lieder werden hier visuell in Szene gesetzt. Absolutes
Vista für den heutigen Tag. Das haben wir uns durch die
viele Lauferei wirklich verdient. Im Merian-Reiseführer
stand davon natürlich nichts.
Wir
gehen am See im Barossa teuer essen, nutzen das Internet im
Hostel und trinken Bier. An die Hitze sind wir mittlerweile
gewöhnt. Heute waren es ertragbare 33 Grad und die Klimaanlage
steht auf 26 Grad weil uns sonst nachts zu kalt wird. Normal
bevorzuge ich 19. Brillenträger werden feststellen dass
die Gläser beim verlassen des Zimmers beschlagen und
nicht andersrum.
|

Chinesen sind generell müde |
2006.08.19
Ein
Nudelcup am morgen, wird dir Dünnschiss besorgen. Deswegen
geht's danach zum guten alten Breadtalk. Die Jiefang Lu ist
laut Merian the place to be wenns ums shoppen geht. Leider ist
da nichtmal ein Straßenverkäufer. Also geht's zur
Yan An Lu die parallel zum See verläuft und viele schöne
Läden herzeigt. Leider wuseln hier auch wieder tausende
von Chinesen um uns rum was schnell auf den Geist geht. Wir
flüchten zu Meters Bonwe (jeder dritte Chinese hat ein
Shirt an auf dem Meters Bonwe steht) und ich kaufe drei T-Shirts
für drei Euro. |

Schöne Taxen |
Straßenverkäufer
gibt es in China überall. Sie bieten von Wasserpumpen über
Spielzeug bis zu Nike Schuhen alles an. Lookie-Lookie. Manche
verfolgen einen ein paar Meter, manche rufen laut und andere
sitzen nur da und schlafen. Eiserne Ignoranz vermeidet hier
das schlimmste. Wer ihnen nur eine Sekunde Aufmerksamkeit schenkt
sieht sich sofort in der Falle. Und wer etwas kauft um seine
Ruhe zu haben sieht sich nach dem bezahlen gleich 20 neuen Verkäufern
gegenüber. Manchmal kommt es vor das alle Straßenverkäufer
auf einmal blitzschnell ihren Kram packen und von der Bildfläche
verschwinden. Die zu erwartenden Bullen bleiben aber irgendwie
unsichtbar. |

So schön |
Mit
dem Taxi geht's zum Hostel und wir schauen DaVinci Code auf
DVD. Ich habe hunger und esse aus Verzweiflung einen Nudelcup.
Danach fahren wir zum Insider-Tipp des Merians. Die Hostelfrau
schüttelt bei einem Blick auf die Merian-strassen-karte
nur den Kopf und meint dass die total veraltet sei. Die Ausgabe
ist ein Jahr alt, aber die Karte anscheinend Jahrzehnte. Der
Taxifahrer ist auch ein wenig verwirrt aber als er den Namen
des Restaurants (Louwailou) hört weiß er bescheid.
Von wegen Insidertipp.
Scheissepeter!
Beim Louwailou geht der Punk ab. Drei Parkeinweiser leiten
die ankommenden Autos in die Lücken während sich
beim bezahlen unseres Taxis schon neue Leute reinquetschen.
Drängelmeister eben. Auf zwei Etagen essen hunderte von
Chinesen zu Abend und wir fühlen uns auf dem roten Teppich
unter den großen Kronleuchtern etwas verloren. Ein englisch
sprechender Assistant erklärt uns dass wir eine Nummer
holen und dann ne Stunde auf unseren Aufruf warten müssen.
Gesagt, getan. Das ambiente ist edel und lässt auf eine
teure Karte schließen.
|

Im Louwailou |
Die
Karte mit englischen Übersetzungen und Bildern ist hilfreich.
Doch wie immer steht eine Kellnerin daneben welche zwischen
die Seiten greift und weiterblättert. Das nervt mich jedes
Mal aber ist nicht loszuwerden. Man hat keine Zeit sich die
Seite nur halb durchzulesen da blättert sie weiter. Blättert
man zurück greift sie wieder rein und schlägt noch
eine Seite um. Sich dabei die Zeit zu nehmen alles genau durchzulesen
ist unmöglich. Ich verstehe das wirklich nicht. Ähnlich
wie beim Einkaufen wird man ständig unter Druck gesetzt
als ob man schon vorher genau wüsste was man will. Die
englische Erklärung man wolle erstmal schauen wird zur
Kenntniss genommen aber dann doch ignoriert. Nur sehr selten
versteht ein Laden das wir gerne wissen wollen was genau wir
eigentlich bezahlen.
Den
halben Weg laufen wir an den bunten Spiegelungen im See entlang
und genießen unseren letzten Abend im relaxten Hangzhou.
Im Gegensatz zu Suzhou hat sich der Besuch in dieser Stadt
richtig gelohnt und drei Übernachtungen waren auf keinen
Fall - wie so oft prophezeit - zuviel.
|

Die kleinen Kätzchen |
2006.08.20
Der
Morgen vorm CheckOut. Ich dusche, packe und setze mich zum Frühstücken
an den kleinen Teich mit Wasserfall. Typisch chinesische Fische
(orangene) wuseln im seichten Wasser umher. Die Katzenbabys
torkeln verplant um die Tische rum, lassen sich aber weder von
den Fischen noch von dem Hund beeindrucken. Die Bäume spenden
angenehmen Schatten.
Mickey
Mouse ist hier neben Meters Bowne Shirts die Hauptattraktion
auf den Shirts, Taschen und Koffern. Die Trendfarbe ist zu
unserem Schrecken rosa. Männer mit rosa Jeans, rosa Polo
und einem Armbändchen kann ich irgendwie einfach nicht
ernst nehmen. Lustigerweise haben sie meistens eine Freundin
im Partnerlook dabei.
|

Viele Chinesen am Bahnhof |
Wir
haben uns an der Rezeption auf Chinesisch aufschreiben lassen
dass wir zwei Zugtickets nach Shanghai wollen. Trotzdem grauts
mir jetzt schon vorm Bahnhof. Sitzt man erstmal im Zug ist ja
alles gut, aber der Weg dorthin ist immer ein Kampf.
Am Bahnhof warten wir vierzig Minuten in der Tickethalle
bis wir an der Reihe sind. Schließlich halten wir zwei
Tickets in der Hand und erkennen sofort dass wir heute mal
keine festen Sitzplätze haben. Wir hechten schnell zum
Zug doch es hat kein Zweck. Plätze ohne Nummer finden
wir nicht. Drei Stunden mit Gepäck in einem engen Zug
am Klo stehen wollen wir nicht. Also gehen wir nach einer
genervten halben Stunde mit Taschen ins Restaurant. Dort spricht
man nur chinesisch aber zeigt uns ein Gericht für den
Nachbartisch und wir nicken. Die Zeit vergeht trotzdem schleppend
und wir fragen uns wie lange sie uns hier noch dulden.
|

Einsamer Schatten |
Schließlich
schmeißt man uns raus doch zehn Minuten später kommen
wir schon in Shanghai an. Durchs Gewusel fahren wir mit der
Metro zum Hostel. Dort hat man zwar keine unserer Reservierungen
jedoch trotzdem ein schönes Zimmer im fünften Stockwerk
frei. Endlich da.
Wir finden eine Bank of China doch eine riesige
Schlange steht vor ein paar Sitzplätzen. Auf den Sitzplätzen
rutschen Chinesen immer einen Platz weiter wenn ein neuer
Kunde bedient wird. Also erst wartet man stehend und dann
im sitzen. Das sieht nach stundenlanger Warterei aus und ist
uns zu blöd. Wir gehen in einen T-Shirt laden der auf
Partnerlooks spezialisiert ist. Hier hängen immer zwei
Shirts nebeneinander deren Aufdrucke nur in Kombination Sinn
ergeben. Doch in unseren Größen XL und L (normal
ja M) gibt's die richtig coolen leider nicht. Für zwei
Partnerlook Shirts zahlen wir 13 Euro.
Plötzlich geht es mir gar nicht mehr
gut. Tezz macht mir noch einen Nudelcup und ich schlafe schnell
ein.
|

Shanghai Baby |
2006.08.21
Unseren
letzten Tag wollten wir dem shoppen widmen. Doch als ich aufwache
sind so ziemlich alle Stellen meines Körpers an denen keine
Haare wachsen mit roten Blasen bedeckt. Omfg! Ich springe schnell
unter die Dusche doch der Ausschlag breitet sich nur weiter
aus. So schlimmen Ausschlag hatte ich noch nie. Fühlt sich
an wie schlimmer Sonnenbrand. Ich möchte sterben.
Ein Angestellter sieht mich rot leuchten und schickt mich
in die nächste Apotheke. Dort wirft man einen Blick auf
mich, nickt wissend und hält mir eine Packung hin. Hastig
bezahle ich und schlucke sofort eine von den Tabletten. Es
kann nur besser werden.
|

Wiedersehen |
Es
hat über 30 Grad doch ich habe Gänsehaut. Energie
habe ich anscheinend noch und so laufe ich geistesabwesend Tezz
hinterher. Wir fahren zur Nanjing Lu. Dort verbringen wir 90
Minuten in der Bank bis ich endlich meine Yuan in der Hand halte.
Als wir die Bank verlassen ist vom Ausschlag absolut gar nichts
mehr zu sehen. Wundermedizin.
2006.08.22
Wir
fahren ein letztes Mal über die überfüllten
Strassen durch das Chaos. Einmal quer durch die Stadt hupen
wir uns ein letztes mal an den Wolkenkratzern vorbei. Statt
zu reden sammeln wir traurig noch letzte Eindrücke. Wir
drängeln uns zu Maglev Schwebebahn durch und beschleunigen
auf 400 Km/h. Draußen beginnt es zu regnen. Im Flieger
sitzen wir zwischen drei schreienden Babys. Wir heben ab.
Wiedersehen China.
Von
all den Horrorgeschichten die uns vorher immer erzählt
wurden hat sich keine bewahrheitet. Wir haben kein Malaria,
sind kein einziges mal bestohlen worden, mussten keine Schlange
essen und deren Blut trinken. Das Leitungswasser dass beim
Zähneputzen in den Mund oder beim rasieren in die Wunden
gelangt hat uns auch nicht geschadet, wir wurden nicht angefahren
und hatten auch keinen Stromausfall. Adapter für Strom
haben wir nicht benötigt und alle Geräte habens
überlebt. Die tödliche Hitze hat uns auch keine
wirklichen Probleme bereitet.
2006.08.23
Deutschland.
Kulturschock. München ist ja so leer, so geordnet, so
langweilig, so schwach, so ausdruckslos. Eine Geisterstadt.
Zuhause merke ich dass mir folgende Dinge gefehlt haben: Ein
großes Bett, Wasser mit Blubbel, basslastige Musik und
ein Kühlschrank mit Milchprodukten. Mehr eigentlich nicht.
Ich
gehe ohne zu schauen über die Strassen und es hupt nichteinmal.
Eltern ermahnen ihre Kinder (noch) langsamer zu fahren. Ein
zurückhaltender Flyerverteiler bricht seinen Satz auf
mein Kopfschütteln schon ab. Er folgt mir auch nicht.
In der Bank bin ich sofort an der Reihe. Ich drängel
mich in dem fast leeren Bus schnell auf einen Sitzplatz. Wozu?
Einfach so.
Ich
bin jetzt schon gelangweilt von dem einschläfernden Leben
hier. Ich vermisse all die Dinge über die ich mich anfangs
noch aufgeregt habe. Ich möchte zurück ins Gedrängel,
in den Lärm und die bunten Werbungen. Ich vermisse mein
Shanghai. Die Stadt in der mehr passiert als man Wahrnehmen
kann. Wo jede Minute kostbar ist. Wo das Leben pulsiert. Wo
sich ständig etwas ändert. Wo man sich einfach lebendig
fühlt.
|