CHRISTIAN MARZY
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THAILAND - KAMBODSCHA - VIETNAM - MALAYSIEN - SINGAPUR - INDONESIEN 2009
AUSTRALIEN
- BANGKOK - DUBAI 2008
CHINA 2006


Photos zu China unter
Travel

Christian Marzy Log China
Beim Boarding
2006.08.01
Yay! Heute geht's endlich los. Nach der Fahrt durch den Regen zum Münchner Flughafen war die Aufregung definitiv am Anschlag. CheckIn und Security waren schon nach wenigen Minuten überwunden, doch deswegen ist die Maschine Richtung Mailand auch nicht früher gestartet. Naja, Vorfreude ist ja eh die schönste. Leider scheint die Digicam gerade heute den Geist aufgegeben zu haben, zum Glück hat Tezz noch die von ihrem Bruder dabei. Mit dem Bus übers Rollfeld und durch den Regen in die kleine Maschine rein. Plätze am Notausgang mit ordentlich Beinfreiheit. Perfekt. Abgehoben, was zu trinken bekommen und schon pünktlich wieder zum Landeanflug angesetzt.
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Blick aus dem Flieger
Wir hüpfen ausgelassen übers Rollfeld und lassen uns mit dem Bus zum Gate kutschieren. In Mailand scheint die Sonne. Die Müdigkeit macht sich beim warten auf den Anschlussflug so langsam breit. Wir sitzen gähnend am Gate doch leider gibt's bei den Italienern Probleme beim Boarding und wir warten scheinbar ewig. Endlich im Flugzeug - verdammt zwölf stunden auf normalen economy Plätzen. Egal, positiv denken. Essen wird serviert und die hälfte (chicken) ist sogar lecker. Keine schreienden Kinder, keine stinkenden Menschen, Glück gehabt. Nach vier Stunden tut langsam der Arsch weh und wir fangen an zu rechnen wie lange noch. Ice Age zwei läuft über den Beamer und ich freue mich dass ich mit Tezz darüber lachen kann. Die Chinesen sind unseren lauten Gesprächen gegenüber sehr tolerant. Nach dem Film fangen die Leute an zu schlafen und wir bedienen uns am Wein. Bei Tezz wirkt er. Sie schläft jetzt während ich diese Zeilen schreibe. In Shanghai ist es jetzt vier Uhr morgens und wir nähern uns mit tausend km/h dem Ziel. Ich bin schon sehr gespannt was uns nach der Landung um neun erwartet.

Das Unwort des Urlaubs ist Thrombose. Wir machen immer schön Gymnastik wies die nette Tante aufm Bildschirm vormacht. Es sind jetzt noch ca. 3 Stunden bis wir da sind. Die ersten Chinesen sind schon wieder munter, mit schlafen ist es schwierig.

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Maglev-Bahn
2006.08.02
Endlich da. Nach stundenlanger langeweile im Flieger haben wir ne halbe Stunde vor der Landung dann Frühstück und drei Reiseformulare bekommen. Fotos von Shanghai beim Landeanflug durften wir nicht machen. Beim aussteigen aus dem Flieger schlägt uns erstmal die Hitzewelle wie eine unsichtbare Mauer und eine endlose Warteschlange entgegen. Beim Zittern um die Einreise - diese Securities sehen so fies aus - unterhalten wir uns mit zwei anderen Deutschen welche auch zum ersten Mal in China sind. Dann werden wir ohne Probleme ins Land gelassen.

Schnell Geld wechseln, Wertsachen verstauen und Richtung Magnetschwebebahn laufen. Dann wieder umkehren und den richtigen Weg zur Schwebebahn finden. Mit dem Flugticket verringert sich der Preis von fünfzig auf vierzig Yuan (vier Euro). Türkise Frauen weisen einem den Weg in die Hellblaue Maglev-bahn (magnetic levitaion). Die Bahn beschleunigt dann auf 430 Km/h und liefert einen sieben Minuten später an einer Metrostation in der Innenstadt ab. Von dort aus gehts mit einem Taxi (mit Seriennummer) weiter Richtung Hostel. Langsam wird klar das Shanghai nicht nur anders ist als eine europäische oder amerikanische Stadt sondern absolut nicht vergleichbar ist. Der Taxifahrer fährt millimeterknapp an Fahrradfahrern vorbei während er scheinbar mit dem Kopf auf dem Lenkrad schläft. Wir sitzen total fertig hinten drin und genießen die Reizüberflutung. Die Stadt scheint endlos und alles ist mindestens zehnmal so groß. Der Taxifahrer stellt fragen die wir nicht beantworten können aber fährt uns schließlich doch zum Hostel.

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Central Int. Hostel Shanghai
Einchecken läuft dank Reservierung problemlos an der angenehm klimatisierten Rezeption mit Englisch sprechenden Chinesen ab. Der Preis liegt bei 9 (mal zwei) Euro die Nacht. Mit letzter Kraft schleppen wir uns zum Zimmer 1105, schieben die Chipkarte in die Tür und stolpern über unsere heruntergeklappten Kinnladen ins Zimmer. Wir haben zwei Betten, einen Fernseher, eine Klimaanlage, Zimmerlatschen, eine (eigene) Dusche, Zahnbürsten, Zahncreme, Handtücher, ein Klo und nach ein bisschen Suche - man muss die Chipkarte benutzen - sogar Strom. Wow! Alles ist sauber und schön. Zu dem Preis hatten wir etwas viel gammligeres erwartet. Wir fühlen uns wie in einem Hotel. Wir legen uns verschwitzt und in Klamotten aufs Bett und könnten sofort einschlafen doch wir brauchen dringend Wasser.
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Mein Lieblingsplatz im Hostel
Also beschließen wir eine Runde um den Block zu machen, packen die Chipkarte und Geld in den Rucksack und gehen los. Es ist etwa 12 Uhr und nach zehn Metern sind wir durchgeschwitzt. Dennoch ist es nicht so schlimm wie alle sagen. Es ist kräftezehrend aber man kann es locker aushalten. Wenn ich zuhause im kleinen Bad den Trockner einschalte ist es schlimmer. Die Sonne brennt allerdings vom Himmel und wir suchen Schatten. Jetzt erst erreichen wir die Ausfahrt vom Hostel =) Es liegt 100 Meter von der sehr lauten Strasse entfernt und dafür sind wir dankbar.
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Laut und gefährlich
Auf dem Weg um den Block prasseln tausende von Eindrücken auf einen ein. Es ist voll, sehr voll, alles und jeder ist in Bewegung, knallige Farben schreien nach Aufmerksamkeit. Es wird so häufig gehupt dass man nicht orten kann welches Auto, gerade hupt. Sogar stinknormale Fahrräder haben hier elektrische Hupen. Wir sind total überfordert. Man weiß gar nicht wohin man schauen soll während man versucht in diesem Ameisenhaufen aus, Fußgängern, Fahrrädern, Mopeds, Rikschas, Rollern, Autos, Taxen und Bussen zu überleben. Ich weiß jetzt warum die Shanghaier unsere Städte für ausgestorben halten. Samstags über die Kaufinger ist ein erholsamer Spaziergang gegen das hier.
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Vierer WG
Dennoch sind wir begeistert. Wir biegen ab weil wir uns nicht über die Kreuzung trauen und stehen plötzlich an einem Ort den wir als abgefuckte Slums bezeichnen würden. Kleine, enge Gassen mit aufgerissenem Beton. Zerfallene, zweistöckige Häuser ohne Glas in den Fenstern. Auf den Gassen sitzen Chinesen und bieten gelangweilt Obst an. Im vorbeigehen können wir in die Häuser bzw. Zimmer schauen in denen sich mehrere Familienmitglieder auf engstem Raum um etwas kümmern. Die Armut schlägt einem wie eine Faust ins Gesicht. Ein Mann in zerfetzter Kleidung liegt mit dem Gesicht auf der dreckigen Strasse und ausgestreckten Armen auf dem Bauch. Nicht etwa betrunken sondern nur in der Hoffnung auf eine Spende. Zehn Eurocent wären wahrscheinlich einen Tag überleben wert. Wir ignorieren ihn und ich habe ein schlechtes Gewissen, darüber dass ich ein eigenes Klo habe und mich über belanglose Dinge beklage. Uns geht es so gut, doch wir wissen es kaum zu schätzen. Die Gassen werden so eng dass wir fast in den Zimmern der Chinesen stehen die gerade zu Mittag essen. Privatsphäre gibt es hier definitiv keine. Haben sie wohl Sex vor den Eltern und den Kindern und der restlichen Strasse? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich schon. Wahrscheinlich haben sie aber auch viel größere Probleme als dieses. Die Gasse wird noch enger und ich mache mir langsam Gedanken ob es so gut ist hier langzulaufen. Mitten in die Privatsphäre (falls man es so nennen kann) von fremden Menschen deren Kultur und Leben ich noch gar nicht verstehe. Die 500 Yuan (50 Euro) die wir zum Wasserkaufen mit uns herumtragen, sind etwa zwei Monatsgehälter eines Durchschnitts-verdieners. Für diese Leute wäre es der Jackpot im Lotto und ich mache mir langsam Gedanken um unsere Sicherheit. Die Leute scheinen freundlich aber was wissen wir schon? Wir drehen rum und ich schaue mich aufmerksam um. Keine Ahnung was Tezz denkt. Haben wir das falsche Reiseziel gewählt?
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Eingang zum Supermarkt
Durch die chinesischen Zeichen und die vollgestellten Fenster ist es nicht so einfach zu erkennen ob es sich um einen Laden, eine Wohnung oder sonst was handelt. Es ist nicht wie Italien oder Spanien wo man Worte noch halbwegs ableiten kann. Man kann auch ein Zeichen nicht wieder erkennen, dafür sind sie einfach zu ungewohnt und Komplex. Selbst das vergleichen von zwei (hoffentlich gleichen) Zeichen ist schwieriger als wir dachten. Die Strasse wird wieder breiter und wir können nebeneinander laufen. Wahrscheinlich sind wir schon an drei Supermärkten einfach ahnungslos vorbeigelaufen ohne diese als solche zu erkennen. Eine Tür öffnet sich und dahinter stehen viele Flaschen in einem Kühlregal. Wir öffnen extra langsam die Tür damit auch jeder merkt dass wir kommen und nicht für Eindringlinge gehalten werden. Wir werden persönlich begrüßt (zumindest gehen wir davon aus) und stehen in einem Laden kleiner als mein Zimmer zuhause. Im Kühlregal erkennen wir an den Farben und Verpackungsformen so halbwegs was wir trinken möchten. Tezz rechnet die Beträge im Kopf zusammen und wir trauen uns zur Kasse. Wir versuchen passend zu zahlen da wir oft vor abzocke gewarnt wurden und wissen dass wir uns nicht im geringsten verständlich machen können. Wir sind leichte Beute. Aber die Kassiererin überprüft den Schein und wir bekommen sogar noch ein bisschen Wechselgeld. Wir sind glücklich und laufen zurück zum Hostel. In den Bäumen sitzen unsichtbare Tiere die wie Grillen sehr laute Zirpgeräusche von sich geben. Beängstigend. Wir kommen in unserem Zimmer an, legen uns aufs Bett, beschließen wach zu bleiben.
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Ich geh nochmal kurz... zZz
Vier Stunden später gegen 18 Uhr wachen wir in unserer verschwitzten Kleidung auf. Ich fühle mich zerstört und lass es raushängen. Das wollte ich eigentlich vermeiden aber irgendwann ist die Disziplin raus. Tezz lässt sich nichts anmerken. Ich untersuche die Klimaanlage welche eine eigene Fernbedienung mit zehn Knöpfen hat - leider chinesisch betitelt - und versuche Einstellungen vorzunehmen. Zehn Minuten später laufe ich mit der Fernbedienung zur Rezeption wo man mich nur belächelt und mir auch nichts genaueres Erklären kann. Ich weiß jetzt wie ich die Gradzahl verändern kann (mit zwei Pfeiltasten) aber die Funktion der anderen acht Knöpfe werde ich nie verstehen. Den Fernseher haben wir bis jetzt ignoriert.
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Unüberquerbar
Wir haben zwar ein Hostel in Peking gebucht aber den Nachtzug dorthin konnte man weder übers Internet noch über die deutsche bahn buchen. Wir hatten also unseren ersten Programmpunkt: Zur Central Station den english-speaking Schalter finden. Leichter gesagt als getan. Den Weg zur Metro-Station cayomang (wichtige Orte tragen hier auch zusätzlich unsere Schriftzeichen) haben wir uns nicht erklären lassen und auf der Strasse nach dem Weg fragen ist beim besten Willen höchstens mit Frust verbunden. Wir wussten dass es nicht weit ist und laufen einfach drauf los - bis zur ersten Kreuzung... Dort stehen wir ein paar Minuten am Straßenrand und sind damit beschäftigt das System nachdem die Chinesen die Strasse überqueren zu verstehen und es sieht ohne Übertreibung wirklich nicht einfach aus. Es gibt rot, gelb und grün wie bei uns aber weder Autos noch Fußgänger halten sich daran. Die Fahrbahn hat zehn Ebenen. Sechs Spuren für Autos, zwei für Fahrradfahrer und zwei Fußgängerwege und wird von allen geteilt. Während ich scheinbar Lebensmüde Chinesen beobachte macht Tezz die Metro ausfindig. Sie scheint Adleraugen zu haben. Die schlechte Nachricht: Wir müssen tatsächlich rüber. Es ist grün für uns doch wir warten trotzdem da aus 180grad überall Fahrzeuge von allen Seiten kommen. Alle überleben das Chaos, also hängen wir uns heimlich an eine Chinesin und folgen ihr dicht auf die Strasse. Von allen Seiten hupt es (anscheinend normal) von allen Seiten drängen sich Fahrzeuge und Menschen dicht aneinander vorbei aber berühren tut sich niemand. Wir erreichen die andere Seite und obwohl ich weiß dass es eigentlich nichts Besonderes ist eine Strasse zu überqueren feiere ich meinen Erfolg.
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Caoyang Metro Station
Ist die Mehrzahl von Wischmop etwa Wischmöppe? Egal. Wir erreichen die Metro zeigen auf unserem Plan mit dem Finger auf central Station und zahlen 6 yuan. Ich habe dass Gefühl das beim (vorsichtigen) hantieren mit dem Geld am Schalter ein zwanziger verschwindet aber kann weder Dieb noch Geld entdecken. Vielleicht eine Täuschung. Nachzählen ob noch alles da ist ging nicht weil nur grob gemerkt wie viel umgerechnete Euro wir dabeihaben. Den Metroplan gibt's auch mit unseren Zeichen und ist daher bei fünf Linien leicht zu durchschauen. Trotzdem fahren wir erstmal in die falsche Richtung (zur south central Station statt central Station). Die Bahnen sind sauber, komplett durchgehbar, haben Fernseher mit MTV und fahren (bei uns) oberirdisch. Wir erreichen die richtige central Station und laufen minutenlang durch unterirdische Gänge und lassen uns von der Masse Richtung Ausgang schieben. Durch kleine Schlangenlinien versuche ich Taschendieben am Rucksack weniger Angriffsfläche zu geben. Obs wohl hilft?
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Wo geht's lang?
Tezz entdeckt die Tickethalle als erste. Drin herrscht unglaublicher Lärm und Chaos wie auf einem Markt. Züge fahren hier keine, nur Ticketverkauf mit Taschenkontrolle. Und zum Glück ist der englische Schalter offen. Wir warten in der drängeligen Schlange doch genau bevor wir dran wären drängt sich einer vor und fängt ziemlich laut an die Kassiererin anzuschreien. Ich mache ihm lieber Platz statt mich aufzuregen. Der Kerl ist außer sich und macht der Schalterfrau Angst. Sie gibt ihm einen bestimmten Betrag an Geld und der Kerl zieht ab. Wir wollen gerade anfangen zu reden da drängt sich ein uniformierter (Wachmann?) vor. Als wir Tickets kaufen versteht sie uns kaum, und wir sie auch nicht aber wir bekommen für tausend (hundert Euro) zwei Tickets erster klasse im Nachtzug. Wir verstehen nicht was drauf steht aber es wird schon passen. Später entdecken wir direkt am großen Bahnhofsplatz eine zweite Tickethalle in der alles ruhiger und zivilisierter zugeht.
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Bar im Hostel
Wir laufen vom Hbf aus der Nase nach durch die Stadt. Mittlerweile ist es dunkel und wir lassen uns von Millionen bunten Lichtern beeindrucken. Überqueren eine Strasse über eine Brücke, wimmeln Leute ab die uns tolerant und unaufdringlich ansprechen und kommen schließlich wieder relativ plötzlich in einen "abgefuckten" Block. Viele Menschen tummeln sich hier auf der brüchigen Strasse. Ein Mann grillt etwas undefinierbares, eine Frau schlägt am Boden einen Fisch tot, ein anderer macht aus Teig Spagetti. Die Leute sind arm und ich fürchte mal wieder Taschendiebe. Die Häuser sind zerfallen, teilweise haben sie nicht mehr alle Außenwände und sind ziemlich heruntergekommen. Trotzdem sitzen Leute in Liegestühlen bequem auf der Strasse und machen einen sehr sympathischen Eindruck. Ich bereue dass ich kein chinesisch kann. Ich würde gerne mit den Leuten reden. Die Leute haben auch nichts mit diesen Mitleidserregenden Spendenwerbungen zu tun wie wir sie immer sehen. Sie scheinen glücklich und lachen. Wir finden eine Metro und mein Rucksack ist plötzlich eine handbreit offen. Es fehlt nichts. Allerdings war auch nichts Wertvolles drin. Wir haben Riesenhunger und weil wir uns noch nicht wagen gehen wir zum essen ins Hostel. Diesmal verfahren wir uns zwar nicht müssen aber zweimal Tickets lösen weil wir beim umsteigen den Transfergang nicht finden. Ein und Auslasskreuze entwerten die magnetischen Tickets. Also raus und bei der anderen Linie mit neuem Ticket rein. Im Hostel essen wir sehr preiswert und gut. Dann reden wir die halbe Nacht im Bett über unsere Eindrücke.
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Tempelflitzer
2006.08.03
Tezz schläft noch und ich schleiche mich aus dem Zimmer. Ich informiere mich über Touren etc. an der Rezeption. Ich habe die Chipkarte im Zimmer gelassen damit Tezz Strom und Klimaanlage hat. Das war ein Fehler, denn nach zehn Minuten hatte ich alles erledigt aber wollte sie nicht durch klopfen wecken. Also gehe ich raus und schlendere durch die Strassen, schaue in den McDonalds und kaufe mir an einem Verkaufstand für dreißig Yuan FlipFlops. Hunger habe ich dank der Hitze keinen. Ich entdecke einen künstlichen See bei einem Teehaus, kann der Bedienung aber nicht verständlich machen dass ich nur schauen will. Zurück im Hostel öffnen mir zwei verschlafene Mausäuglein die Tür. Es ist gegen Mittag und Siesta ist angesagt. Später wollen wir am Bund essen.
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Peoples Square
An der Metro wollen wir eine praktische Prepaidkarte kaufen und zahlen aber das Doppelte. Wir wollen uns eigentlich beschweren aber wissen nicht wie. Wir trösten uns damit dass es trotzdem billiger ist als in Deutschland. Einen Automaten für eine solche Karte konnten wir nicht finden. Wir fahren bis zum Peoples Square und kommen aus einem der hundert Metro-exits unter denen man sich immer verläuft. Als wir an die Oberfläche kommen sind wir so überwältigt dass wir mitten im Menschenstrom stehen bleiben. Wir schauen eine Strasse runter an deren Ende einige Kilometer entfernt die riesige Kugel des Pearl Towers auf ihren drei Beinen ruht. Wie ein riesiges Auge welches die Stadt überblickt. Wir benehmen uns wie ordentliche Touristen und schießen viele Fotos. Nach ein paar Minuten schauen wir das erste Mal zur Seite und stellen fest dass wir mitten zwischen hunderten toller Fotomotive stehen.
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Eishalle im New World City
Wir fangen alles ein und bewegen uns Richtung New world City - einem etwa elfstöckigen mega Einkaufscenter. Was wir dort alles sehen würde Bibliotheken füllen. Die Highlights sind gewundene Rolltreppen, eine Eislaufbahn, eine Arcadehalle in welcher Mütter mit ihren Kindern mit MGs bewaffnet Zombiehorden niedermetzeln, eine Geisterbahn, ein 3D Kino, und diverse kleinere Fahrgeschäfte wie man sie auf dem Oktoberfest findet - in einem Einkaufscenter. Wir wollen heute aber ja eigentlich zum Bund und reißen uns aus dieser schönen Traumwelt heraus und versuchen das Kaufhaus zu verlassen. Doch leider kann man den Aufzug nicht rufen. Es gibt keinen Knopf. Chinesen schmunzeln über unsere ratlosen Gesichter. Wir vermuten dass dieser Aufzug nur nach oben bringt aber nicht nach unten und nehmen den längeren Weg. Höhenangst darf man hier wohl nicht haben denn von den Rolltreppen aus kann man durch eine Riesenhalle bis zum Boden sehen. Tezz nutzt die Zeit für Fotos.
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Pearl Tower und Jinmao Tower
Auf dem stundenlangen Weg zum Bund (auf der Karte sah es viel weniger aus) kommen wir an unzähligen Baumarktläden vorbei. Den meisten Geräten können wir keine Funktion zuordnen. Als wir endlich an der Pagode der Volkshelden ankommen sind wir ziemlich KO. Doch der Ausblick ist berauschend. Ein Grafiker würde es wohl mit "Vista" beschreiben. Die visuelle Belohnung für eine erfolgreich gelöste Aufgabe. Diesen Gedanken erspare ich Tezz und wir schweigen. Noch nirgends haben wir so wenige Leute gesehen wie hier. Ungefähr 20 Leute an dieser Touristenattraktion. Man muss nicht ständig auf seine Wertsachen achten oder Leuten ausweichen. Wir hätten länger bleiben sollen. Auf dem kompliziert abgesperrten Weg zum Bund (ein Gitter trennte uns den eigentlich kurzen Weg ab) sehen wir ein dutzend Touribusse und es wird richtig voll. Richtig voll. Den Promenadenweg am Fluss langzulaufen hat kaum was Positives. Millionen von Touristen, mindestens doppelt so viele "lizenzierte" Rolexverkäufer und andere nervige Touriabzocker. Komischerweise scheinen sie ihre Ware an den Mann zu bringen. Wir ignorieren sie aber sobald man einen hinter sich gelassen hat steht schon der nächste da. Wir tragen unsere Rucksäcke vorne. Ungemütlich. Aber die Skyline ist unglaublich. Man muss es einfach sehen. In zwei Stunden wird es dunkel.
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Blick vom Bund auf Pudong
Wir haben 20 Stunden nicht gegessen, schwer zu erklären warum. Die Ablenkung wahrscheinlich. Auf jeden Fall steht essen ganz oben auf der Liste. Am Bund ist leider alles teuer also wollen wir dem Reiseführer nach zur besten Pizza der Stadt. Nach einer langen Reise (auf der Karte sah es mal wieder näher aus) landen wir in der schönsten Hotellobby die ich je gesehen hab. Unglaublich schön designt aber eben ohne diesen vergoldeten Prunkscheiss. Am Empfang zum Restaurant fühlen wir uns mit Rucksack und Flipflops ziemlich fehl am Platz. Die Edelkellner führen uns trotzdem freundlich herein. Das Restaurant ist sehr schön, dass essen hat deutsche Preise und sogar deutsche Gäste, wie peinlich. Wir werden übereifrig bedient, sagen tausendmal danke und bestellen Pizza und Gnocci. Die kleine leckere Portion macht mehr als satt und kostet außerdem mehr als wir dabeihaben. Nach langem hin und her zahlen wir weniger und dürfen gehen. Unser Heimweg führt uns an der mittlerweile komplett beleuchteten Bundpromenade und der Nanjing Lu vorbei. Von Touris überfüllt aber sehr sehr beeindruckend. Wir kommen todmüde im Ho(s)tel an reden aber wieder die halbe Nacht. Der Wecker steht auf sechs Uhr morgens da wir in einen Park wollen und die Touriherden satt haben.
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Tempel
2006.08.04
Ich wache um 11 auf und fühle mich schon wieder zerstört. Wir gehen (zwingen uns zum) frühstücken und bekommen Marmelade aus Österreich dazu. Faul chillen bis 14 und dann schnell mit dem Taxi für 14yuan zum Jade Buddha Tempel. Wir erwarten eine stille, andächtige Atmosphäre mit strengen Wächtern die sofort schießen wenn man zu laut redet. Aber der Tempel ist voll die Touriattraktion und wir schlendern an Andenkenläden vorbei und machen Fotos mit Blitz zwischen betenden Leuten. Ich bin zwar eh nicht sehr religiös aber zwischen Touris beten wär nicht so mein Ding. Die Tempelanlage ist sehr sehr schön gestaltet und gepflegt. Frauen verbrennen dutzende Weihrauchstäbchen, beten unterwürfig und dankbar jeden drei Meter hohen vergoldeten Götzen an und Mönche in braungelben Gewändern kreuzen unseren Weg. Die Gottesstatuen unterscheiden sich alle von freundlich bis angsteinflössend. Manche tragen Waffen, haben viele Arme oder dicke Bäuche. Hintergrundwissen habe ich keins. Sie sind dennoch so beeindruckend und aufwendig in Szene gesetzt dass ich (als ungläubiger) trotzdem ein bisschen nachvollziehen kann warum man diese Statuen anbeten möchte. Viele Dinge kann man schwer mit Worten beschreiben. Unsere deutsche Kirchendeko wirkt auf jeden Fall plötzlich mickrig. Wir relaxen ein bisschen zwischen Bonsaibäumen und treffen beim rausgehen den ersten deutschen. Die Freude ist groß die Unterhaltung belanglos und kurz.
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Malls am Jing An Platz
Bettler werden aufdringlicher und junge arm wirkende Kinder begleiten die Touris bis zu einem unsichtbaren magischen Punkt. Haben sie bis dahin keinen Erfolg ziehen sie wieder ab. Sie haben ihre Hände immer nah an unseren Hosentaschen, versuchen Berührung jedoch zu vermeiden. Man muss schon ein bisschen hart bleiben um so zu tun als wären sie nicht da. Das schlechte Gewissen kommt wieder. Auch Tezz bleibt ignorant. Ein Taxi ermöglicht uns die Flucht. Eigentlich wollen wir einen weiteren Tempel sehen aber als wir vor Ort sind lassen wir uns von edlen Shopping malls, starbucks und häagen dazs ablenken. Ich treibe Unfug in den leeren edlen Gucci, Armani bonzen-kaufhäusern und rutsche die Rolltreppenbänder auf dem hintern herunter. Ob es Tezz peinlich ist kann ich nicht sagen. Nach ein paar Stunden westlicher Kultur machen wir uns auf den Heimweg.

Ich stelle fest dass Chinesen ihren Freunden nur ungern hinterher oder zurufen. Sie wollen sich anscheinend lieber kompliziert mit Armgefuchtel bemerkbar machen auch wenn das rufen eines Namens viel effektiefer wäre. Wir unterhalten uns laut, lachen und zeigen mit dem Finger. Es ist schwer einzuschätzen was die Chinesen von uns denken. Sie grinsen immer freundlich.

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Echte Vitamine für Tezz
An der Transferstation Zhongshan Park steht ein riesiges Hochhaus auf welchem meterhohe Lettern "Cloud nine" (siebter Himmel) verkünden. Der Reiseführer verspricht eine Bar im 87. Stock und wir machen uns auf die Suche. Da diese Hochhäuser nicht nur hoch sondern auch unglaublich breit und lang sind gestaltet sich die Suche nach dem Barzugang schwierig. Wir kommen nur via Rolltreppe bis ins fünfte Stockwerk (und fragen is ja nich). Wir kaufen endlich mal in nem großen Supermarkt (im Basement) ein und betrachten viele Nahrungsmittel mit ekel. Jedoch gibt es auch viele "leckere" Dinge. Wir kaufen "just add hot water" Gerichte, Rasierklingen, Tiger Beer und einen hellblauen alcopop. Der Rucksack geht gerade noch zu. Immer noch keine Spur von der Bar. Ein genauerer Blick in den Merian (welcher eindeutig aus mehreren Gründen unpraktisch und nicht zu empfehlen) zeigt dass das "Cloud 9" nicht im "Cloud Nine" ist sondern im Marriot Hotel in Pudong. Aha. Nachtrag: Cloud 9 befindet sich im JinMao Tower und hat Dress Code.

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Internet, USB und CDR im Hostel
Zuhause gehen wir für 5y (50cent) ins web, stellen fest dass wir uns ins chinesische Interface von Skype, bei web.de, webmail, christian.marzy.de und anscheinend bei msn einloggen können. Die Tastatur ist amerikanisch qwerty und hat scheinbar andere Abmessungen. Blinde Finger landen häufig falsch. Eine kleine Bierdose wirkt wunder, wir schneiden uns beide beim Rasieren und Tezz desinfiziert ihre Wunden wegen unreinem Duschwasser. Ich überlebs hoffentlich auch so. Unsere Betten sind frisch bezogen, Wertsachen fehlen keine. Ich schlafe schnell ein und bin die restliche Nacht ziemlich verspult.

Alpträume. Tezz ist krankgeworden und will den Urlaub wegen Oktoberfest abbrechen, den restlichen Urlaub bin ich alleine. Danach trage ich sie huckepack durch mein Büro und wir stehen stundenlang für unser essen an. Eine Interpretation erspare ich mir.

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Überlebenswichtige Lebensmittel
2006.08.05
Ich bin wach. Und es ist erst acht. Den Wecker um 6 habe ich wieder nicht gehört. Gestern haben wir noch ausgerechnet dass unser Geld noch knapp wird wenn wir weiter so "teuer" leben. Aus Spaß sagt sie "Also wenns drauf ankommt ess ich die letzten drei Tage nichts und geh trotzdem schoppen." Ich lache mich halb tot weil wir eh zu wenig essen =)

So langsam gewöhne ich mich an die täglichen Schwierigkeiten hier. Wir überqueren zwischen dem Verkehr flink die Strasse, steigen ins Taxi und zeigen den Zielort mit dem Finger auf einer chinesischen Karte. Wir kontrollieren die Route und kommen ohne Umwege zur chinesischen Altstadt. Wir wollen zur Zickzack Brücke doch umkreisen sie mehrmals ohne sie zu sehen.

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Unser schlechtestes Essen
Kurzerhand beschließen wir in einem vollen Selbstbedienungsladen zu Frühstücken. Wir schätzen die Auswahl auf hundert verschiedene Gerichte. Wir nehmen Frühlingsrolle mit schleimigem Inhalt, Madenartigen Reis der nach Kartoffelpuffer schmeckt, kalte Nudeln mit grüner Füllung und Erdnusssoße, kalte, trockene Pommes, kleine Gebäckteilchen mit puddingartiger Füllung und Sojanudeln. Alles für 6 Euro. Außer der Erdnusssoße und dem Gebäck schmeckt uns nichts gerade gut. Die Durchfalltabletten liegen dummerweise weit entfernt im Hostel. Aber wir bleiben glücklicherweise verschont.

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Überfüllte ZigZag Bridge
Als wir dann endlich im Yu Juan Garden sind lassen wir mal wieder den Touri raushängen und schießen hunderte Fotos. Das lohnt sich wirklich sehr aber ist dank blödem Merian-Reiseführer nur zu finden wenn man Einheimmischen mit dem Finger aufs Bild der gesuchten Attraktion zeigt. Die erzählen dann im Pyjama drauf los und zeigen dann auch irgendwann mit dem Finger in die richtige Richtung. Toll! In nem Tempel waren wir auch noch - zum Fotos machen. Ruhe vor der Masse hat man dort auch, die ist ihren Eintritt auch wert. Um acht Uhr aufstehen reicht wirklich einfach nicht. Lieber um 6 und dann auch früh ins Bett. Vielleicht kriegen wir das ja auch noch mal hin.
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Luxusproblem
Im Reiseführer wird ein Spaziergang von der Altstadt durch eine abgefuckte Gegend zum französischem Viertel vorgeschlagen. Wir laufen bis sogar der Arsch wehtut und ich schlafe auf einer Parkbank fast ein. Die Stimmung geht gegen Null. Ich sprinte zwei Runden durch den Park und fühle mich besser. Die abgefuckte Gegend ist kontrastreich. Auf der einen Straßenseite gibt es in dem Familienhaus mal wieder keine Außenwände, Unterwäsche hängt zum trocken auf Kopfhöhe über der Strasse. Eine Frau wäscht sich an einer Wasserstelle die Haare. Ein weiterer trinkt das Wasser vor dem jeder Arzt warnt einfach aus dem Hahn. Tezz meint die Leute wären durch ständige Konfrontation dagegen Immun. Die Häuser sind zerfallen, aus Platzmangel wird draußen gesessen. Die Kleider haben das Grau der Strasse angenommen. Es ist wirklich ergreifend die kleinen Kinder dort leben und lachen zu sehen. Im Gegensatz zu den Pennern an Touriorten sind diese Menschen freundlich, unaufdringlich, sympathisch. Sie lächeln mit uns und schauen weder zu uns auf noch ab. Diese Menschen sind nicht arm weil sie faul sind. Wir laufen mit unserer sauberen, bunten Markenkleidung, dem gekühlten Wasser und einer teuren Digicam vorbei und machen Fotos. Auf der anderen Straßenseite, keine zehn Meter entfernt steht eine neu gebaute Villa mit einer Stretch-Limo davor. Leider fehlt uns die Ausrüstung den harten Kontrast gescheit auf ein einziges Foto zu bekommen. Ich klettere mit schlechtem Gewissen den Schuttberg eines Hauses von dem nur noch fünf Säulen übrig sind hinauf und fotografiere die Villa.
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Ein teures Stück Westen
Wir filmen einen Mann der im Unterhemd und Regenschirm singend und tanzend sehr langsam die Strasse entlang geht. Ich tippe ja auf Drogen aber die Bullen lachen mit ihm. Fünf Minuten später kommen wir am Paulaner an und wollen ein Oktoberfestbier trinken. Da dass Bier dreimal so viel kostet wie auf dem Oktoberfest gehen wir schnell wieder. Welcher Chinese soll sich das leisten können? Überhaupt ist hier alles sehr westlich also gehen wir wieder.

Es hängt ständig ein komischer Geruch in der Stadt. Wir nehmen ihn aber mittlerweile nur noch Abend wahr wenn wir nach dem Duschen an den getragenen Klamotten schnuppern. Bäh. Außerdem verfolgen uns immer noch diese unsichtbaren Viecher aus den Bäumen. Die sind sehr laut und machen verstörende Horrorfilmgeräusche. Abends ist ein großes Tsingtao und Cesars Salad aufm Zimmer angesagt. Das haut ziemlich rein und macht müde, obwohl ich sonst sauf wie ein Loch.

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Das tägliche Frühstück
2006.08.06
Ich verbrenne mir gleich morgens im Bett die Fresse an den schärfsten Nudeln die ich je gegessen habe. Die Instant Nudeln sind der Burner. Nach dem Wäsche aufhängen geht's mit einer neuen sechs-euro Hose nach Pudong. Wir laden unsere public transportation prepaid card auf und lassen uns diesmal nicht bescheissen. Metro fahren ist so ne Sache. Man weiß nie so recht an welcher Station man gerade ist. Im letzten Moment springen wir aus der Frosterbahn in die 30 Grad am Pearltower.
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Fische sind Freunde
Im Ocean Aquarium will mich die Tussi um 10 Yuan bescheissen. Das geht natürlich nicht und schließlich rückt sie den Rest auch noch raus. Alle Preise und Zahlen allgemein sind glücklicherweise immer in unserem Zeichensatz abgebildet. Passend zahlen wo es nur geht. Die Unterwassertunnel sind beeindruckend und schön gestaltet. Durch optische Täuschung meint man nach den Fischen greifen zu können. Dort sind wir außerdem vor der Mittagshitze sicher. Die elf Euro sind viel aber es lohnt sich. Am Ende bekommt man einen Gutschein für eine "wertvolle" Perle. Doch die Kette dazu kostet 15 Euro. Hirn einschalten, rumdrehen und gehen. Zum Glück machts Tezz genauso.
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Tiger Tezz
Wir entdecken einen Park direkt hinterm Pearl Tower in dem kein einziger Tourist ist. Es grenzt an ein Wunder. Ich kann wirklich nicht sagen warum dort niemand ist. In Shanghai ist es wirklich immer überfüllt. Ähnlich wie bei der WM nur halt dauernd. Wir genießen die seltene Ruhe an einem kleinen See und stoßen danach auf drei Gänse von denen eine in Angriffsstellung auf uns zu rennt. Als sie nur noch wenige Meter von uns entfernt ist nehmen wir lieber die Beine in die Hand und verziehen uns. Der Park ist wohl deshalb so leer weil die anderen Touristen von den Killergänsen vernichtet wurden.
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Pudong
Danach machen wir uns am Jinmao Tower - dem höchsten Gebäude Chinas und 4. höchstem der Welt - vorbei richtung Marriot Hotel weil wir diesmal ins richtige Cloud 9 wollen (nicht etwa cloud nine). Danach setzen wir uns ins Taxi und fahren zurück zum Jinmao Tower denn das Cloud 9 ist ja doch dort. "Dieser Merian geht mir echt auf den Sack". Pudong ist sehr viel geplanter, aufgeräumter und strukturierter als die andere Seite vom Fluss. Riesige Straßen auf denen im Vergleich zum Rest so gut wie gar nichts los ist. Endlich angekommen ist leider das Geld all, die Bank zu und die Rezeption unwillig Traveller Cheques zu tauschen. Also gibt's statt Cocktail im 87. Stockwerk bei Sonnenuntergang leider nur Wasser am schattigen Straßenrand.
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Blick von Pudong zum Bund
In einem Supermarkt (Wie immer Wasser kaufen) spricht eine freundliche Chinesin wieder mit uns und wiederholt dauernd einen Satz, oder ein Wort während sie auf unsere Armbändchen zeigt. Ich brabbel es so gut wie es geht nach aber hebe die Stimme am ende so dass es klingt wie eine Frage. Shoniabaratse? Die Frau bricht in Lachen aus und wir lachen mit. Auch wenn wir uns nicht verstehen verständigen wir uns mittlerweile ganz gut. Die Chinesen sind sooo viel freundlicher und sympathischer als die Deutschen, speziell die Bayern.

Unser letztes Kleingeld geben wir für den Fußgänger Unterwassertunnel zum Bund aus. Der ist für alle Drogenfreunde sehr zu empfehlen! In kleinen Bahnen fährt man durch einen Tunnel mit aufwendigen Laser, Video und Lichteffekten während man von nerviger psychedelischer Musik begleitet wird. Allerdings bin ich leider nüchtern. Auf der Metrofahrt nach hause halte ich mich beim Umfallen an einem Chinesen fest, doch der lacht nur.

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3 -Tages Ration
Wir werden beim Straßenüberqueren so langsam mutiger. Normal brauchen wir für die etwa 50 Schritte auf die andere Seite so 20 Sekunden. Die Ampelmännchen haben einen Countdown von 30 Sekunden. Wird aber eine Ampel rot rennen wir so schnell wir können denn die Shanghaier rasen sofort los und kommen wenn überhaupt nur mit quietschenden Reifen zum stehen. An fast jeder Kreuzung steht zusätzlich ein Traffic Assitant der ständig dabei ist leben zu retten. Übrigens gibt es nirgends Grafitti. Die Strafen müssen generell recht hart sein, oder die Erziehung sehr gut. Denn aktive Straftaten oder deren Effekte sehen wir nie. Wir meiden dunkle Gassen aber die anfängliche Angst verfliegt immer mehr.

Tezz weiß jetzt auch warum die Chinesen so harte Matratzen haben. Wenn man auf dem Bett Instant Suppe zubereitet und sich daneben setzt kippt nichts aus. Schlau!

Christian Marzy Log China
Streitschlichter, Segen, Heimlittel
2006.08.07
Wirklich auf die nerven geht mir die Security im Hostel. Die benutzen Walkie Talkies und sind dauernd am labern. Auf volle Lautstärke gedreht laufen sie damit durchs Hostel und reißen einen aus jedem Traum. Unsere Zimmertür ist so schalldicht wie ein Vorhang. Ich bin froh dass es hier sicher ist, aber der Preis für die Nerven ist hoch.

Unsere Klimaanlage steht auf 26Grad und es ist ohne Decke immer noch zu kalt. Regelmäßiges ausschalten ist die beste Lösung. Unsere Dusche im Hostel ist ein Segen. Die Laune, Kraft und das Wohlbefinden werden im nu regeneriert. Manchmal denke ich das wir beim heimkommen kurz vor einem Streit stehen aber nach dem Duschen sind wir wieder beste Freunde. Ich sollte Eheberater werden.

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Halb beladenes Rad
Ursprünglich wollten wir uns ja mal Fahrräder mieten. Aber es ist uns zu gefährlich und selbst der blöde Merian rät davon ab. Der Verkehr hier ist unvergleichlich. Hier gilt das recht des Stärkeren. Ampeln werden nur beachtet wenn der Traffic Assistant gerade mal herschaut, gewendet wird überall, eine Spur ist hier keine Vorgabe in welche Richtung man zu fahren hat sondern eher eine Richtlinie. Fahrräder höher und breiter als Busse beladen warten mit ihren muskulösen Fahrern an Ampeln. Fahrräder sind vielseitig einsetzbar. Ob als fahrender Grill, Schlafplatz oder Schwertransport spielt keine Rolle. Roller oder Fahrräder nur mit nem Fahrer drauf sieht man selten. Jeder fährt etwas durch die Gegend, Kissen, Bierkästen oder Kartons. Hauptsache soviel auf einmal wie nur geht. Und es geht ziemlich viel. Mehr als man denkt.

Rollerfahrer transportieren meist quersitzende Frauen. Wir haben sogar schon öfter beobachtet wie ein Rollerfahrer an ein Geschäft fährt vor welchem Kleidungsstücke aushängen. Ohne abzusteigen wird der Fahrer von einem Verkäufer beraten und kauft schließlich sein Shirt. Der Motor läuft noch und der Roller gibt hupend wieder Gas. Unsere Ordnungshüter würden Gehirnblasen kriegen.

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Eier im Supermarkt
Wer mit dem rauchen aufhören möchte sollte nach Shanghai kommen. Die Luft ist zwar dreckiger als jede Kippe die man auf dem Boden findet aber Lust auf eine Zigarette hatte ich hier noch gar nicht. Auch Alkohol trinken wir nur sehr wenig. Wasser ist überlebenswichtig, und da man nicht aus der Leitung trinken darf auch fast immer leer. Wir hätten mal ne Art Kasten kaufen sollen. Das wir die Prepaid karten (public transportation) immer noch nicht markiert haben rächt sich langsam. Drei yuan umsonst verballert weil wir prüfen wollten wie viel noch auf welcher drauf ist.

Im Supermarkt machen wir heute Großeinkauf. 7 Instant Nudelgerichte, 2 Reisgerichte, Pringles, 5 Liter Getränke, 2 Äpfel, 3 Bananen, 3 Tafeln Schokolade, 4 Pudding, 3 Oreo-sorten und ein leckeres Gebäckstück für nur 15 Euro. Yeah! Traveller Cheques einzutauschen ist viel schwieriger als erwartet ("die kann man selbst im Taxi einlösen" - von wegen). Auf jeden Fall lernen wir für die Zukunft sich den Weg zu einer "Bank of China" aufmalen zu lassen. In jeder Bank muss man eine Nummer ziehen und so etwa 10 Minuten warten bis man an der Reihe ist. Dann wartet man noch 10 Minuten auf sein Geld und kann glücklich die Bank verlassen.

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Unser Fernseher bleibt meist aus
Dass wir Musik über den Lautsprecher vom XDA laufen lassen können ist wunderbar da im Fernsehen noch mehr Scheiss läuft als bei uns. Im Hostel laufen allerdings aktuelle Kinofilme auf gerippten DVDs in englischer Sprache und chinesischen Untertiteln. Außerdem erledigt der Informationstisch alles was man sich nur wünschen kann. Touren zu auswärtigen Zielen, Reservierungen für die Akrobaten Show, Zugtickets und Flügen. Über eventuelle Zusatzkosten wird man freundlich hingewiesen und alternativen werden Angeboten. Jeden Tag kommt außerdem die Putze und wechselt dreckige Bettwäsche und Handtücher. Super Service für 9 Euro die Nacht! Ich kann das Central Int. Hostel nur empfehlen. Es liegt zwar nicht am Bund aber dafür keine fünf Minuten von der Ubahn weg was wir vor allem abends in dieser riesen Stadt zu schätzen wissen.
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Die Frau wirbelt herum
Eineinhalb Stunden vor Beginn haben wir uns auf den Weg zum Akrobaten-Theater gemacht weil wir früh dran sein wollten. Dass wir durch die Reservierung feste Sitzplannummern haben wussten wir nicht. Wir fahren zum People Square, entscheiden uns für Exit 3 von 12 und laufen minutenlang in unterirdischen Gängen mit dem Strom. Dann gehen wir scheinbar ewig die Nanjing Lu entlang. Lu bedeutet Strasse und ist je nach Himmelsrichtung auch durch Donglu, Xilu und so zu ersetzen. Wir kommen gerade als der Vorhang sich öffnet in den Saal und genießen frierend die echt gute Show. Ich bin begeistert, es ist schon eine Klasse höher als in einem Zirkus. Abends gibt's zur Belohnung leckere Instant Nudeln und wir versuchen früh zu schlafen.
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Einer der vielen Straßenhändler
2006.08.08
Wir verlassen das Hostel und direkt vor unserer Nase rammt ein Rollerfahrer den anderen im Verkehrsgetümmel zu Boden. Der Fahrer liegt regungslos unter seinem Roller begraben während sich der andere schnell aus dem Staub macht. Ich würde das Spektakel gerne weiter verfolgen und am liebsten Fotos schießen aber wir haben es eilig. Die halbe Nacht an der Bar verbracht geht es mir entsprechend. Außerdem finden wir den Weg zum englischen Ticket Office nicht mehr und meine Laune bessert sich erst als ich sehe wie einem Fahrradfahrer ne Melone auf die Strasse fällt und zerplatzt. Hoho.
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Visum für China
Hätten wir die unterirdischen Gänge der Metro benutzt hätten wir von der Station Central Station zur eigentlichen Bahnhofshalle wahrscheinlich nur 10 Minuten gebraucht. Obenrum brauchen wir fast ne Stunde. Endlich am english speaking Schalter lösen wir zwei Tickets nach suzhou. In 40 Minuten geht's los und ein Ticket kostet 22y (zwei Euro). Der Bahnhof darf nur mit Ticket betreten werden und Rucksäcke werden gescannt. Wie an einem Flughafen betreten wir eine Art Gate und warten bis das Boarding beginnt. Wir verstehen dass natürlich nicht sofort und steuern planlos umher auf der Suche nach einem klassischen Bahnsteig wie man ihn kennt. Der Masse hinterher klappt es dann doch aber ob wir wirklich das richtige tuen wussten wir nicht. Wir dürfen nur Wagen acht betreten und haben dort - Überraschung - trotz soft seater ticket einen Stehplatz. Fünfzig Minuten später steige ich genervt aus dem Zug und wünsche mich ins Hostel zurück.
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Suzhou von oben
In Suzhou brennt die Sonne vom Himmel, es ist ja auch mittags. Der Karte nach ist es nicht weit bis zur ersten Attraktion doch der Weg ist wie immer sehr viel weiter als es aussieht. Wieder einmal rettet die Schadenfreude den Tag: Einem Mann vor uns bricht der Griff vom Koffer ab. Nicht so genial wie die zerplatzte Melone doch sicher ein Schmunzeln Wert. Ein paar Meter weiter verkauft ein Mann an der Strasse (neue) Koffer. Seltsamer Zufall. Suzhou hat zwar 3 Millionen Einwohner wirkt jedoch wie eine einzige große Touristenfalle. Überall, also alle drei Meter, stehen Leute die einem etwas andrehen wollen. Lookie-lookie, lookie-lookie sagen sie alle. Mein Lieblingssatz.
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Suchbild
Wir besichtigen eine große Pagode, den Garten des Meisters der Netze welcher vor allem durch die Abwesenheit von Touristen glänzt und den Tigerhügel. Der Tigerhügel ist am besten mit dem Taxi zu erreichen und wirklich sehenswert. Er ist Parkähnlich gestaltet bietet jedoch sehr schöne abwechslungsreiche Naturthemen. Vom Wasserfall bis zu hunderten von Bonsaibäumchen ist alles vertreten. Im Zentrum steht eine riesige alte Pagode (chinesischer Turm) welche man innerhalb von Sekunden durchläuft. Dafür anzustehen lohnt auf gar keinen Fall. Meiner Meinung nach ist Suzhou schön aber den Aufwand nicht Wert. Situationsabhängig.
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Kanal in Suzhou
Wir wollen wieder heim und lösen ein Ticket am Bahnhof. Wir zeigen zwei Finger und sagen Shanghai. Die Frau stellt chinesische Fragen aber hat scheinbar verstanden. Wir bekommen diesmal die Tickets für nur 13y und haben dafür auch noch ne Sitzplatzreservierung. Statt 50 Minuten fahren wir 60. Wie sich die Preise in China errechnen bleibt uns ein Rätsel. Auf der fahrt werden wir von einem Verkäufer (lookie-lookie) und lustigen Käufern entertaint. Immer wieder stelle ich fest dass trotz riesiger Kulturunterschiede zwischen allen Menschen immer gewisse Basisgemeinsamkeiten bestehen. Die erwachsenen Chinesen treiben Unfug mit dem gekauften (faszinierendem) Spielzeug und wir können mitlachen.
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Billardtisch im Hostel
Abends wollen wir Luxus also gehe ich zum McDonalds, werde (wegen meinem Aussehens) an einen englisch sprechenden Kassierer verwiesen und kaufe so zwei Maxi Menüs für 32y (3 Euro). Glücklich hüpfe ich wieder ins Getümmel uns staune über die Massen an Menschen. So oft ich es versuche. Man kann es einfach nicht in Worte fassen.

Wir machen uns Freunde im Hostel. Ich habe gestern unser Klo verstopft und jemand musste kommen und das richten. Peinlich peinlich. Heute haben wir dann nachdem wir uns nach einer gewonnenen Kickerrunde (und getrunkenem Bier) als die Champions erklärt hatten unsere Badtür von außen versehentlich gesperrt. Also wiedermal jemanden rufen der uns aus der Patsche hilft. "Die Frau an der Rezeption hat mich angeschaut wie ein Mondkalb". Gut das wir morgen abreisen =)

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Shanghai Urban Exhibition Center
2006.08.09
Heute ist check out. Ich hänge die Wäsche ab und wir packen unseren Kram zusammen. Checkout und luggage leaving funktioniert reibungslos. Wir müssen die Zeit bis zum Nachtzug totschlagen und gehen zum Shanghai Urban Exhibition Center. Recht interessant ist die Virtuelle 360 Grad Vorführung in welcher man durch Shanghai fliegt. Später sprechen ins mitten auf dem Platz zwei Touris an, stellen tausend fragen und wollen dass wir mit ihnen Tee trinken gehen. "We wanna stay for ourselves, sorry". In einer Bäckerei "christine" kaufen wir die Puddingstückchen und was neues Unbekanntes. Davon bekomme ich Würgreiz denn es schmeckt mehr als eklig. Meine Darbietung hatte Tezz einen schlimmen Schock versetzt.

Im Hostel organisiert man uns sehr freundlich ein Taxi, erklärt der Fahrerin wo wir hinwollen, bringt unser Gepäck zum Auto und wir kommen schnell zum Bahnhof. Ich kaufe endlich endlich eine chinesische Chip und bin glücklich. Mit der Fahrkarte bekommen wir zutritt zum Bahnhof, unsere Taschen werden gescannt und wir setzen uns zum warten ans Gate. Nach dem Boarding hoffen wir auf zwei ertragbare Menschen im vierer-schlafabteil.

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Soft Sleeper sind ihren Preis wert
Kevin und Mimi sprechen englisch, sind mitte zwanzig und echt die beste Gesellschaft die wir uns wünschen konnten. Der Zug wird die ganze Nacht Richtung Peking fahren und wir lassen uns von ihnen Peking Bilder auf dem Notebook zeigen und tauschen MP3s aus. Ich liebe technikbegeisterte Menschen die mal schnell einen SD-Slot zur Hand haben. Im Zug gibt es Strom, heißes Wasser für Instant Nudeln, ein kostenloses Abendessen (wie im Flieger), eine Bar, gemütliche Betten, Lautstärkeregler fürs Radio, Leselampen, Kleiderbügel, Klimaanlage, einen kleinen Tisch und eine abschließbare Tür. Zufriedenstellend. Tezz rechnet aus dass wir heute seit Ankunft am wenigsten ausgegeben haben während ich schon wieder mit dem Gedanken spiele ein Bier zu kaufen. Wenn wir morgen um sieben ankommen will Mimi uns mit ihrem chinesisch eine Karte nach Hangzhou besorgen.
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Red Lantern Hostel Peking
2006.08.10
Wir schlafen so fest wie Steine als eine Chinesin reinplatzt und verkündet dass wir in zehn Minuten in Peking sind. Aus Rückfahrkarte kaufen wird nichts da wir kaum Bargeld haben. Das Gedränge am Bahnhof ist riesig und sehr anstrengend. Wir wollen mit dem Taxi zum Hostel aber die Fahrer schütteln alle die Köpfe. Also nehmen wir die Ubahn. 30 Minuten schwitzender Horror.

Dank Beschreibung finden wir trotzdem relativ gut zum Hostel. Es ist ein bisschen abgelegen aber wirklich sehr schön! Peking ist lange nicht so modern wie Shanghai. Das Licht flackert und die Fernbedienung für die Klimaanlage fehlt. Aber wir sind froh endlich einen Platz zum schlafen und Privatssphäre zu haben. Das Hostel ist in chinesischem Style gehalten. Ein alt wirkender Bau aber sehr gepflegt. Die Mücken hier scheinen etwas agressiver denn an meinem Bein entwickelt sich schnell eine kleine Beule. Tezz verarztet mich professionell.

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Schnell herrscht Unordnung
Es ist erst zehn Uhr morgens doch wir sind todmüde. Ich werde duschen und bei der neuen Musik von Kevin aus dem Zug einschlafen. Während dem Soundtrack von Oceans 12 fängt es an zu regnen. Wir haben lange keinen Regen mehr gesehen und verlassen begeistert das Zimmer. Die bassstarke Anlage vom Hostel beginnt chinesische Instrumentalstücke zu spielen und ich beobachte wie der Regen auf die geschwungenen Dächer prasselt. Ich muss spontan an den Film Hero denken und fühle mich in eine längst vergangene Dynastie zurück versetzt. Ich begreife warum dieses Hostel zu Asiens Nummer 1 gewählt wurde. Hierher hat es der sonst allgegenwärtige westliche Einfluss noch nicht geschafft.
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Musik, Essen, Besteck
Es ist echt wunderschön hier. Wir verbringen den Tag im Bett, lauschen der Musik die durch unser Zimmerfenster hereinströmt und schmökern im Reiseführer. Diese Location ist definitiv mehr als 11 Euro die Nacht wert. Wir teilen einen Innenhof mit Tischen, einer Bar und haben endlich Ruhe. Keine Motoren oder nervige Walkie Talkies. Wäre ich ein alter Mann würde ich gleich hier bleiben. Die Shanghaier Hektik hatte schon ihren Reiz, aber jetzt wo wir hier in Peking sind merken wir wie ausgebrannt wir sind.

Bei Dämmerung werden im Innenhof die roten Ballonlampen entzündet. Außerdem ist eine bunte Lichterkette zwischen den Dächern gespannt. Überhaupt spielt sich hier alles draußen ab. Das ist besonders toll da man so schnell mit den anderen ins Gespräch kommt und sieht einfach prächtig aus. Der anfängliche Stress ist hier schnell vergessen. Kleine Kätzchen turnen im Hostel rum und miauen immer wenn man ihren Namen ruft. Sehr lustig.

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Njam Njam
Wir machen unsere tägliche Runde durch einen Supermarkt und staunen erneut über die günstigen Preise. Abends trauen wir uns in unser zweites chinesisches Restaurant. Man versteht uns kaum, ist aber sehr freundlich und bringt uns eine Karte mit großen Bildern. Wir entscheiden uns für Kartoffelscheiben, Reis mit Beef und Apfelsaft. Wir bekommen Salat, geraspelte Karotten, lustige Loco Rocos, scharfes Gemüse, eine Schale Reis, einen Teller gyrosartiges Beef mit Sesam, vier Melonenscheiben, eine Flasche Apfelsaft und zwei Eis am Stiel. Unsere Kartoffelscheiben werden am im Tisch integrierten Grill von der Bedienung über glühenden Kohlen zubereitet. Das ganze kostet uns insgesamt nur 7 Euro. Wir Speisen wie die Könige und sind - im Gegensatz zu unserer letzten Erfahrung mit chinesischem Essen - sehr, sehr begeistert. Wir kommen bestimmt wieder.
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Wir sind reich
2006.08.11
Ich habe jede Nacht verspulte Träume. Wahrscheinlich weil das Hirn soviel zu verarbeiten hat. Wir gehen zur Bank und warten wieder ne halbe Stunde bis unsere Traveller Checks endlich eingetauscht sind. Das ist scheinbar jedes mal ein riesen Aufwand für die Bank. Der kleinste Schein ist 5 Cent wert und der größte 10 Euro. Also kriegt man immer einen Riesenbatzen Geldscheine was sich positiv auf das Ego auswirkt =) Wir kaufen an der Central Station unsere Nachtzugtickets nach Shanghai. Das ist auch hier ein riesen Stress weil es so unglaublich laut und eng im Ticket Office ist. Nach einer halben Stunde ist es endlich vollbracht und wir verlassen lebend und mit zwei Tickets dieses Schlachtfeld.
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Die verbotene Stadt
Wir laufen zum Tian anmen Square - dem größten Platz der Welt - und betreten von dort aus die verbotene Stadt. Wir hatten die Größe der verbotenen Stadt völlig unterschätzt und sind schnell müde und hungrig. So macht das ganze kaum Spaß und wir machen uns am McDonalds vorbei zurück zum Hostel. In der Ubahn ist das beeindruckendste die Werbung. Während in Shanghai noch Monitore hingen die 3D-Bilder erzeugt haben (wie 3D-Kino nur ohne Brille) sind in Peking viele Tafeln im Schacht angebracht die dann beim vorbeibrausen mit der Ubahn wie beim Daumenkino ein Video ergeben. Sehr geil für Technik-Begeisterte.
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Sitzplätze in der Ubahn sind selten
Tezz ist hier der Star. Da hier 99% aller Menschen schwarze Haare haben fällt ihr blondes Engelshaar natürlich sofort auf. Oft wird sie gefragt ob es Naturfarbe oder Blondierung sei. So oder so fallen wir in der Menge auf wie bunte Hunde. Die Chinesen scheinen dem westlichen Style nachzueifern. In der Werbung sieht man oft zwei Chinesen die ein Produkt entdecken oder erklären und zum Beweis dass es auch wirklich gut ist werden danach noch zwei westliche Menschen gezeigt die das selbe Produkt benutzen. Generell schätzt man unsere Wünsche beim einkaufen oft falsch ein. Meistens kriegen wir bei der Verständigung mit Hand und Fuß erstmal das falsche gebracht bevor wir das richtige bekommen. Manche Chinesen sind schlau, schauen sich meine Klamotten an und halten mir ähnliche zum Angebot hin, andere bringen mir Zeug dass ich nie kaufen würde.
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Touriherden
Die Verkaufstaktik hier ist ziemlich offensiv. Man muss dauernd nein sagen und wird immer von einem persönlichen Aufschwatzer begleitet. Fast wie wechselnde Bodyguards. Selten kann man sich in Ruhe umschauen oder erklären dass man nur schauen möchte. Gerade hier in Peking sprechen uns oft Leute an die etwas mit uns unternehmen wollen. Wir ignorieren sie bis sie aufgeben. Wirklich aufdringlich sind die Leute ja nicht aber irgendwann geht's einem schon auf die Nerven. Ich frage mich oft wieviele Touris pro Tag wohl auf die Masche reinfallen und eine Rolex kaufen oder einen chinesen zum Teetrinken begleiten. Da diese Abzocker überall sind scheint das Geschäft ja ganz gut zu laufen.
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Im Hostelvan zur großen Mauer
2006.08.12
Don't believe him. It's hard! Der Wecker läutet viel zu früh die Halbzeit ein. Wir latschen müde zur Frühstücks-Bar und ordern westliches Essen. Unsere dreckige Wäsche liefern wir an der Rezeption ab. Eine halbe Stunde später trifft unser Fahrer ein aber das aufs Essen warten wir immer noch. Den Rest essen wir dann wegen großer Eile im Van. Wir fahren zwei Stunden durch Stadt (Hup Huup) und Land und durch arme Dörfer in denen noch Tiere bei der Arbeit helfen. Sobald man die Großstadt verlässt verschwindet der Luxus und von Lebensqualität ist nichts mehr zu sehen. Die Menschen leben in Hütten welche durch ungeteerte Straßen verbunden werden. Kinder helfen auf den Feldern das nötige Kleingeld zum überleben zu verdienen.
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Auf der Mauer
An der großen Mauer angekommen ist es ähnlich wie an der Zugspitze. Man muss erstmal weit nach oben. Zur Auswahl stehen die Füße, ein Sessellift oder eine Seilbahn. Tezz sagt "Wenn, dann richtig" Also laufen wir hoch. Unser toller Fahrer meint man bräuchte 40 Minuten wenn man gut trainiert ist. Auf dem Weg treffen wir einen Esel.

Eine Viertelstunde Später stehen wir oben vor der Mauer und sind mehr als verschwitzt. Wir laufen dann drei Stunden auf der Mauer entlang welche stellenweise so steile Treppen hat dass man die Hände zu Hilfe nehmen kann. Sie ist gigantisch. Die Treppen sind seitlich abfallend damit der Regen auf Chinas Seite fließt. Beim laufen muss man wegen der Unregelmäßigkeiten ständig auf den Boden schauen aber das macht nicht viel aus da man Aufgrund des ständigen Nebels eh nicht weit schauen kann. Ich schwitze wie in meinem Leben noch nie. Schweißtropfen fallen von meiner durchnässten Hose auf den Boden. Wir tragen dank Kevins Ratschlag Turnschuhe. Mit FlipFlops wären wir schon beim Aufstieg gestorben. Wir vernichten jede Stunde einen Liter Wasser. Das schwitzen ist wirklich extrem, aber es lohnt sich trotzdem. Lookie Lookie - Die Preise für Wasser schwanken zwischen 30 Cent und 7 Euro.

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Mit dem Bob ins Tal
Dann machen wir uns auf den Weg zur Bobbahn. Dort kann man den ganzen Weg ins Tal hinunterrodeln. Ich übertreibe es am Anfang und falle fast heraus. Ein Reflex lässt mich auf die Bahn greifen und ich knicke um. Nichts passiert. Auf der restlichen Strecke werde ich dauernd wegen zu schnellem fahren ermahnt. Der Spaß des Tages.

Wir sitzen wieder mit den anderen im Van und sind schon wieder die einzigen die reden und lachen. Die Verkehrssituationen die unser Fahrer meistert sind einen Orden wert. Ich halte mich für einen recht guten Fahrer, aber hier würde ich mich auf keinen Fall ans Steuer setzen.

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Nach dem Essen
Wir suchen ein chinesisches Restaurant zehn Minuten vom Hostel entfernt auf. Auch hier gibt es eine Karte mit Bildern und wir bestellen Mais, Frühlingsrolle und frittierte Augen. Wir bekommen die kältesten, schärfsten und ekligsten Gemüserollen die ich je gegessen habe, verwürzten Mais mit püriertem Hirn (oder Hundefutter) und chickenMcNuggets mit Süß sauer Soße. Ich bin am verhungern und esse von allem ein wenig. Ich gehe zu einem Tisch auf dem Reis steht, winke den Kellner her und zeige darauf. Yuhuu endlich was gescheites. Dezent versuchen die Kellner eine Fliege zu erschlagen die um unseren Tisch surrt. Unsere Teller sind noch fast voll, wir zahlen und verlassen schnell den Laden.
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Trocknende Wäsche im Hostel
Ich beschließe diese Woche genug Sport gemacht zu haben und dusche 20 Minuten. Ich bin fertig, doch Tezz muntert mich schnell wieder auf. Ohne sie würde mir dieser Urlaub kaum Spaß machen. Wir sehen ab und zu Leute die alleine Reisen, glücklich sehen die aber nicht aus. Obwohl wir im Hostel super leicht Anschluss finden würden sind wir abends froh für uns zu sein.

Im Hostel kaufe ich einen Liter Bier für 50 Cent und lege mich entspannt ins Bett. Wie schon gesagt knallt das Bier ganz schön und bringt uns zu lauten Lachattacken. Tezz schreibt mit einem Stift in ein Real-Life Heft und spielt dann Sudoku auf einem Real-Life Block.

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Tiger Screen im Behai Park
2006.08.13
Regen regen regen. Wir lassen uns nach nem Topf Instant Nudeln zum Behai Park fahren doch der Regen wird immer schlimmer. Wir bekommen zwanzig Minuten lang kein Taxi und kaufen dann durchnässt zwei Regenschirme für runtergehandelte zwei Euro. Tezz behält den türkisen und gibt mir den rosanen. Rache.

Im Hostel lassen wir uns von Dorr - einer etwa 15-jährigen netten Chinesin - einen echten Tee mit Blätterzeugs machen. Schmeckt gut, tut gut. Im Hostel gibt es außer den zwei kleinen Katzen noch Roger den Hund. Der ist lustig. Irgendjemand spielt im Innenhof ein chinesisches Streichinstrument während es regnet. Es ist genau wie bei dem Kampf im Regen bei Hero. Außer Regen lässt sich nicht viel berichten. Er ist relativ warm, läuft schlecht ab und bildet riesige dunkle Pfützen. Taxen nehmen scheinbar lieber trockene Leute und sind plötzlich Mangelware.

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Hurray Bread Talk
2006.08.14
Heute war der beste Tag seit wir in Peking angekommen sind. Wir sind total hungrig aufgewacht und Tezz hat leichte aggro Anfälle außerdem hört das Gemecker nur selten auf. Ne, nur Spaß, natürlich zieht sie mich in die Ubahn und schleift mich zur Wanfuijing, dem Puls Chinas. Kurz vorm Hungertod - man sollte nie ohne Frühstück aus dem Hostel gehen - entdecke ich einen Laden namens Bread Talk. Dort gibt es die leckersten und besten Gebäckstücke auf der Welt. Ich kaufe ein Hörnchen mit Käse-schinken-füllung, eine Art Hot Dog, einen Krapfen mit Erdbeer und Sahne drin, ne Apfeltasche, ein Zuckerstückchen. Nach dem essen nehmen wir uns noch mal fünf Sachen mit auf den Weg. Bread Talk ist scheinbar eine Kette und man sollte sie bei Sichtkontakt asap aufsuchen - wirklich.
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I'm singing in the rain...
Die Motivation ist plötzlich auf dem Höhepunkt. Das Wetter ist angenehm kühl - ein Zeichen für kommenden Regen - und wir laufen grinsend die Einkaufsstrasse entlang. In einem Bookstore finden wir (nach tagelanger suche) drei Blöcke und in einem Souvenirladen eines der goldenen winkenden Kätzchen für Tezz. Wir laufen durch den vom Reiseführer empfohlenen Foreign Language Bookstore doch mehr als ne Klimaanlage kann der nicht bieten. Die restliche Zeit verbringen wir auf Klamottensuche in den Malls. Tezz lässt sich von Verkäuferinnen in ein Kosmetik-test-beratungs-gespräch zerren und ich stelle fest dass es im Pizza Hut keine Slices verkauft werden.
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Unser Ausblick
Mit der ewig lahmen Ubahn geht's zurück zum Hostel und ich schlafe sofort ein. Generell könnte ich dauernd schlafen, wenn wir mehr Zeit hätten wäre jetzt der richtige Zeitpunkt mal einen Tag nichts zu tun. Doch ich wache ne Stunde später auf, piekse Tezz mit einer Gabel in den Hintern und wir beschließen Abendessen zu gehen. Kane - als Hostelmensch und Insider der wichtigste Mann in unserem Leben - beschreibt uns den Weg zur nähesten Peking-Ente. Wir finden dank bildhafter Beschreibung sehr gut hin aber Bestellung aufgeben ist sehr schwierig. Nach langem hin und her liegen ein paar Stückchen Ente mit halb fertig gebackenen (gedämpften) Brötchen und ein Pitcher Eistee auf dem Tisch. Der Hunger ist groß und es schmeckt nicht schlecht. Der Spaß kostet insgesamt 36 Yuan (3,6 Euro).
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Chip auf chinesisch
Die tägliche Dusche tut wie immer gut. Im Bett hören wir wie Kane auf einem chinesischen Streich-Instrument schöne Lieder spielt. Das hat Style. Kane hat überhaupt meinen Respekt. Er ist immer freundlich, erledigt grundsätzlich mehrere Sachen auf einmal, weiß über alles bescheid und spricht das beste Chinesenenglisch dass ich die letzten zwei Wochen gehört habe. Die Ansprechpartner im Hostel spielen eine ziemlich wichtige Rolle in unserem Urlaub. Ohne die geht so gut wie gar nichts und sie erledigen mehr als man erwartet. Man muss nur fragen. Kane schläft nur vier Stunden die Nacht (von 01 bis 05) und nimmt sich wirklich sogar während dem Essen für uns Zeit. Das Red Lantern ist zwar nicht so modern wie das central Utel in Shanghai (kein Fernseher, keine Duschwand, keine Chipkarte) aber halt einfach zum Wohlfühlen.
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Ruhiger als Shanghai
2006.08.15
Franzosen. Man fliegt 13 tausend Kilometer vor ihnen davon um eines lieben morgens von ihnen aus den Träumen gerissen zu werden weil diese nervigen Idioten im Nachbarzimmer lautstark eine Kreissäge imitieren müssen. Gleich aufs Mowl oder später?

Wir ziehen am Automaten in der Bank eine Nummer (der grüne von den vier Knöpfen) und warten 60 Minuten(!) bis wir endlich unsere Traveller cheques umgewandelt haben. Genervt und sehr hungrig verlassen wir die Bank und holen im Hostel unsere gewaschenen Klamotten ab. Es ist mittlerweile 11 und es gibt kein Frühstück mehr im Hostel. Ärgerlich. Also McDonalds. Wir bestellen zwei Maximenüs für vier Euro und finden nach kurzer Wartezeit auch einen Platz. Die Laune bessert sich.

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Eine volle Ubahn
In der Ubahn ist es brechend voll und ich zermalme zwei kleine Kinder. Tut mir leid aber geht einfach nicht anders. Die Securities drücken die Leute die noch draußen stehen mit Gewalt in den Wagon und die Türen schließen sich. Wir fahren ein paar Stationen. Beim aussteigen wird eine junge Frau ohnmächtig wird aber durch die enge Masse nach draußen gequetscht und klatscht dann neben mir ungebremst auf den Bahnsteig. Sieht tot aus. Ein Security sieht sie, und rennt irgendwohin. Außer zwei Frauen und uns interessiert sich niemand dafür. Nach dreißig Sekunden am Arm herumstochern kommt sie wieder zu sich und trinkt ein bisschen von unserem Wasser. Der Security kommt mit einem Stuhl wieder. Wir können nichts mehr tun und verlassen den Schauplatz. In Bussen soll es angeblich noch härter zugehen.
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Das gecrashte Boot
Wir sind an der Station Military Museum und wollen mit dem Boot durch einen Kanal zum Sommerpalast fahren. Die Boote fahren alle volle Stunde. Wir suchen das Ticket Office bis wir um 12 ein Touristenboot ablegen sehen. Mist. Um 12:03 lösen wir zwei hin und rück Tickets für 160 yuan. Die alte Frau an ihrem kleinen Grilltisch spricht in ein Walkie Talkie, das Boot dreht rum und wir dürfen über das Geländer auf das treibende Boot springen. Nach diesem Waghalsigen Stunt arbeiten wir uns an der Außenseite an einer Reling klammernd bis zum Innenbereich vor. Die anderen (chinesischen) Touris schauen uns entsetzt an. Wir könnens selber nicht glauben.
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Tote Fische und Chinesen
Die Fahrt geht zu 90% an Baustellen vorbei, im trüben Wasser schwimmen tote Fische und lebende Chinesen und der netten Erzähltante hört niemand zu. Sie spricht eh nur chinesisch. Die Fahrt ist ihr Geld nicht wert. Auch die optionale Kurzversion nicht. Wirklich interessant ist allerdings das Andockmanöver. Unser Captain hat das Bootfahren nie gelernt und bremst das Boot indem er relativ heftig in die Wand rammt. Ich hätte nicht gedacht dass ein Boot einen so heftigen Schlag aushält.
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Der See am Sommerpalast
Der Sommerpalast (je 30y) ist sehr schön wobei ich ihn eher Sommerpark genannt hätte. Er ist riesig, führt um einen See und die abzweigenden Attraktionen wollen extra bezahlt werden. Vorher im Hostel fragen was sehenswert ist wäre gut gewesen. Zum Sonnenuntergang wird der See in goldenes Licht getaucht und Bäume reflektieren glänzend die Sonnenstrahlen. Bis dahin sind auch die meisten Touris wieder fort. Die Runde um den See ist aber anstrengend genug und wir fahren danach mit dem Taxi für 30 Yuan wieder zum Hostel. Die schon bezahlte Rückfahrt mit dem Boot zum Subway ist um 18 eh schon verpasst (16:30 wärs gewesen).
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Busse sind immer überfüllt
Also in Peking ist meiner Meinung nach das Taxi das beste Fortbewegungsmittel weil das Ubahnnetz veraltet, anstrengend ist. Allerdings kosten die meisten Fahrten nur drei Yuan. Wer einmal von außen in einen mit Chinesen vollgestopften Bus geschaut hat läuft lieber. Die Mühe den Plan zu verstehen haben wir uns nie gemacht. Selber mit Fahrrad oder Auto zu fahren sollte man so oder so nicht. Die mehrstöckigen Strassen verwirren das Navi, die Verkehrsschilder versteht man nicht und wer deutschen Verkehr gewöhnt ist kommt hier eh keine hundert Meter ohne Blechschaden voran. Rikschas sind eher Touriabzocke.
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Gitter im Taxi
Bei den Taxen sollte man die Leute die auf einen zukommen ignorieren. Abzocker. Taxen die warten, oder im Verkehr fahren sollten beim Beifahrersitz eine Seriennummer mit Bild des Fahrers haben und lassen sich (zumindest wenn man trocken ist) innerhalb von ner Minute auftreiben. Vor dem losfahren (wenn möglich vorm einsteigen) zeigen wir dem Fahrer die Visitenkarte mit der chinesischen Adresse des Zielorts und (wenn möglich) den Ort auf einer Deutsch/chinesischen Straßenkarte. Englisch versteht wirklich keiner. Nichtmal ein bisschen. Selbst "Okay, yes, no" ist meist nicht drin. Nickt der Fahrer steigen wir ein und der Fahrer stellt den Zähler an. Eine große 10 (yuan in Shanghai 11) erscheint im Radiodisplay oder einem roten extra Zähler und der Anfang einer Quittung wird gedruckt. Manchmal wird der Zähler erst eingeschaltet wenn der Wagen durch Einbahnstraßen in die richtige Richtung gewendet ist. Keine Seriennummer oder Pauschalpreise ohne Zähler sind Abzocke und ein Grund zum sofortigen Aussteigen, sind uns aber noch nicht begegnet. Die Fahrer bringen uns immer ohne Umwege und ziemlich günstig ans Ziel. In Shanghai kommt man mit der Metro eigentlich ziemlich gut und komfortabel überall hin.
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Chinesische Packkunst
2006.08.16
Ich werde von einer spielenden Gitarre geweckt. Ein guter Tag. Die gesammelten Mückenstiche werden eingeschmiert, eine Vitamintablette mit Wasser runtergespült, die geschundenen Hände verarztet, die Bierflaschen aus dem Weg geräumt und auf die Uhr geschaut. Langsam kommen wir in den verschobenen Zeitrythmus rein. Anfangs sind wir gegen 14 Uhr aufgewacht und um 3 eingeschlafen. Jetzt ist es 8.

Unser letztes drittel bricht an. Wir fangen das Packen an und stellen fest dass die Koffer immer voller werden. Die Zeit bis zum Check-Out nutzen wir bis zur letzten Minute indem wir faul rumliegen. Central Station ist ja bekanntlich sehr kräftezehrend. Den restlichen Tag schauen wir fern und chatten per Skype. ICQ, AIM und so sind auf den Rechnern nicht installiert. Nur MSN und Skype. Im Hostel gibt es ein Sourround System und massenweise aktuelle Kinofilme (fluch der Karibik 2) auf DVD. Wahrscheinlich rips ausm Netz. Diese Rips werden auch in vielen Läden für 15y verkauft.

Christian Marzy Log China
Hauptbahnhof
Wir brauchen 50 Minuten vom Hostel zum Platform Gate und warten dann genervt an der Station rum. Kinder knien vor uns nieder und betteln um Geld. Diesmal habe ich Bier im Supermarkt gekauft weil die Preise im Zug zehnmal so hoch sind. Wir haben wieder ein Soft Sleeper Bett (gemütlicher als Hostel) und teilen das Abteil mit zwei älteren Chinesen die sogar englische Einzelwörter verstehen. Die Betten sind besser als im Hostel und ich schlafe vorm Bier schon fast ein.

Es stellt sich heraus dass das Chinesenpäarchen auf dem Weg nach Shanghai ist um von CCTV interviewt zu werden. Der Mann hat 10 Jahre an Maos Seite gearbeitet und die Frau ist angeblich eine in China bekannte Regisseurin für Dokumentarfilme. Zum 30. Todesjahr Maos soll sie über eine ihrer Dokus über Mao reden. Sie bringt mir bei auf Chinesisch bis 10 zu zählen und wir lachen recht viel.

Christian Marzy Log China
Wie in Deutschland
2006.08.17
Nach einer Nacht mit wenig schlaf stolper ich aus dem Zug. Wir müssen den Shanghaier Bahnhof verlassen, in der Schlange stehen, zwei Tickets nach Hangzhou (je 33y) am englischen Schalter lösen und wieder einchecken. Ticketkontrolle, Taschenkontrolle, Platform finden. Eine Stunde Wartezeit.

In einem öffentlichen Bad der Wartehalle putze ich mir bei den Kakerlaken die Zähne. Neben mir bereiten sich Chinesen beiden Geschlechts Instant Noodles oder duschen. Hurrah. Mir ist mittlerweile alles egal. Ich hab mir in einem Laden die leckeren Instant Noodles gekauft bei denen man das Wasser vorm essen wieder abgießen muss. Die sind tausendmal besser als die Suppen die ihren Geschmack verlieren wenn man das Wasser abgießt. In Peking gab’s die leckeren leider nicht also kaufe ich gleich acht Stück und bereite für Tezz und mich zwei zu. Neben den Kakerlaken. Als ich an meinen Platz zurückkehre fährt mir ein Spasti mit seinem schwulen Trolley über den Flipflop Fuß.

Christian Marzy Log China
Erste Klasse
Die Chinesen haben ein ganz schlimmes Laster. Die ewige Drängelei. Im Zug hat jeder eine automatische Sitzplatzreservierung. Aber wenn sich das Gate eine halbe Stunde vor Abfahrt öffnet bricht die Hölle los. Als ob es der letzte Zug aus einem radioaktiv verseuchtem Gebiet wäre. Wer hier seine Ellbogen nicht ausfährt stirbt langsam. Dutzende Koffer rollen über meine Füße, die Masse drängt mich von hinten an die Gitter und jede alte Frau die sich nicht an mir vorbeidrängeln kann tut so als ob ich ihren Enkel getötet hätte. Das geht echt auf die Nerven. Am besten abseits sitzen bleiben und die Masse drängeln lassen. Zum gechillten Einsteigen bleibt später noch genug Zeit.
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Viele Instant Noodles
Instant Noodles sind hier ein wichtiges Thema. So gut wie jeder Chinese hat welche, sie sind überall zu kriegen, günstig und teilweise lecker. Man sollte bei Ankunft in China von jedem Hersteller eine kaufen und sich merken welche einem am besten schmeckt. Die Packungen sind an den Abbildungen leicht wieder zu erkennen. Ich finde die grünen Suppentellerförmigen mit dem Gemüse und dem Basketballspieler drauf mit Abstand am besten. Heißes (Trink)Wasser ist eigentlich überall zu kriegen und daran zu erkennen dass es dampft.

In der Packung liegt immer eine Gabel, zwei Soßen und was zum streuen. Die Reihenfolge des hinzugebens ist durch einschalten des Hirns leicht zu herauszufinden. Bei den Suppen das Pulver und Soßen zuerst. Bei denen ohne Wasser holt man die drei Päckchen und die Gabel raus, gibt Wasser hinzu und lässt das ganze vier Minuten ziehen. Dann verbrennt man sich beim abgießen des Wassers die Finger, gibt die Soßen und Gemüse hinzu rührt um und lässt es sich schmecken.

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Gesperrtes Gleis
Wir fahren ein paar Stunden mit dem Express Zug nach Hangzhou. Umso weiter wir uns von Shanghai entfernen umso kleiner werden die Häuser. Die Gegend wird ländlicher. Es ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Viele primitive Hütten sausen an uns vorbei, Menschen arbeiten mit Werkzeugen auf Feldern. Stromleitungen werden seltener. Kevin hat erzählt dass in den ländlichen Gegenden die Leute nur dreimal im Leben duschen können. Zur Geburt, zur Hochzeit und zur Beerdigung. Der Unterschied von Stadt zu Land ist gigantisch. Ähnlich muss es in Deutschland vor langer langer Zeit auch mal ausgesehen haben.
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Int. Youth Hostel Hangzhou
Hangzhou hat 5 Millionen Einwohner und so geht's am Bahnhof auch zu. Wiedermal wuseln tausende Chinesen um uns rum. Wir stehen ne halbe Stunde am (scheinbar einzigen) Ticketschalter an doch der macht dann einfach Mittagspause bevor wir dran sind. Ich bin wütend.

Ein Taxi bringt uns zum Herzstück Hangzhous - dem West Lake. Dort liegt auch unser Hostel. Die zweier Zimmer für 220y/Nacht (je 11 Euro) haben ein Bad mit Klo und Badewanne, einen Wasserkocher, Hausschuhe, DVD-Player, TV, Telefon und natürlich Klimaanlage mit Fernbedienung. DVDs kann man gegen Pfand kostenlos leihen. Wir lassen uns Frühstück machen (Kartoffelauflauf) und leihen dann Mr and Mrs Smith aus. Der öffentliche Bereich besteht aus einem gemütlichen Raum mit riesen Fernseher und Esstischen und einer Veranda mit Wasserfall. Sehr schön. Wir schauen den leicht zerkratzten Film in unserem Zimmer und schlafen fast ein. Gegen Sonnenuntergang gehen wir am See entlang und decken uns dann im Supermarkt ein. Wir schlafen vor Mitternacht auf den harten Matratzen ein.

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Captain Jack Sparrow
2006.08.18
Der Tag beginnt mit Bread Talk Frühstück fünf Minuten vom Hostel entfernt. Die Sachen sind so lecker dort. Njamnjam. Wir können unsere trockene Wäsche abhängen und glücklich anziehen.

Nach einem kleinen Mittagsschlaf wollen wir Fahrräder im Hostel leihen doch die sind schon alle weg. Also laufen wir im Uhrzeigersinn um den See. Nach zehn Minuten mieten wir ein motorisiertes Boot (20y) und tuckern in einem abgegrenzten Bereich über den See. Wir kommen mal wieder an einer Pagode vorbei. Im Eingangsbereich liegt ein schönes Becken mit hunderten von Schildkröten darin. Wir laufen stundenlang weiter um den See und setzen uns zum Sonnenuntergang auf eine Bank.

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Ego-Boost
Eine Chinesin fragt Tezz ob sie ein Foto zusammen mit ihr vorm Sonnenuntergang machen darf. Sie halten sich wie alte Freunde an der Hand und lassen ein Foto machen. Danach kommen zwei freundlich Männer vorbei und wollen auch ein Foto mit ihr. Ich hatte zuerst auf Trickdiebe getippt aber es scheint normal zu sein. Manchmal fühle ich mich wie ein Promi. Die Chinesen auf der Strasse sagen im vorbeigehen Hallo und schauen einem hinterher. Wie kleine Kinder freuen sie sich wenn wir zurückwinken. Dabei sind Westler hier gar nicht so selten. Wir sehen bestimmt zehn pro Tag außerhalb des Hostels. Tezz ist auf jeden Fall Angelina Jolie und ich bin Brad Pitt.
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Paradies auf Erden
Wir umrunden den Rest des wirklich schönen Sees und genießen die Ruhe. Endlich Platz. Nach einiger Zeit treffen wir wieder auf die der Stadt zugewendeten Seite des Sees wo es dann auch wieder vor Chinesen nur so wimmelt. An einem bestimmten Platz schauen besonders viele Chinesen auf den See und wir stellen fest dass hier gleich was Größeres passieren muss. Um 19:30 als die letzen Strahlen der Sonne hinter dem Berg verschwunden sind beginnt eine mit Musik untermalte Fontänenshow im Wasser. Vier Lieder werden hier visuell in Szene gesetzt. Absolutes Vista für den heutigen Tag. Das haben wir uns durch die viele Lauferei wirklich verdient. Im Merian-Reiseführer stand davon natürlich nichts.

Wir gehen am See im Barossa teuer essen, nutzen das Internet im Hostel und trinken Bier. An die Hitze sind wir mittlerweile gewöhnt. Heute waren es ertragbare 33 Grad und die Klimaanlage steht auf 26 Grad weil uns sonst nachts zu kalt wird. Normal bevorzuge ich 19. Brillenträger werden feststellen dass die Gläser beim verlassen des Zimmers beschlagen und nicht andersrum.

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Chinesen sind generell müde
2006.08.19
Ein Nudelcup am morgen, wird dir Dünnschiss besorgen. Deswegen geht's danach zum guten alten Breadtalk. Die Jiefang Lu ist laut Merian the place to be wenns ums shoppen geht. Leider ist da nichtmal ein Straßenverkäufer. Also geht's zur Yan An Lu die parallel zum See verläuft und viele schöne Läden herzeigt. Leider wuseln hier auch wieder tausende von Chinesen um uns rum was schnell auf den Geist geht. Wir flüchten zu Meters Bonwe (jeder dritte Chinese hat ein Shirt an auf dem Meters Bonwe steht) und ich kaufe drei T-Shirts für drei Euro.
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Schöne Taxen
Straßenverkäufer gibt es in China überall. Sie bieten von Wasserpumpen über Spielzeug bis zu Nike Schuhen alles an. Lookie-Lookie. Manche verfolgen einen ein paar Meter, manche rufen laut und andere sitzen nur da und schlafen. Eiserne Ignoranz vermeidet hier das schlimmste. Wer ihnen nur eine Sekunde Aufmerksamkeit schenkt sieht sich sofort in der Falle. Und wer etwas kauft um seine Ruhe zu haben sieht sich nach dem bezahlen gleich 20 neuen Verkäufern gegenüber. Manchmal kommt es vor das alle Straßenverkäufer auf einmal blitzschnell ihren Kram packen und von der Bildfläche verschwinden. Die zu erwartenden Bullen bleiben aber irgendwie unsichtbar.
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So schön
Mit dem Taxi geht's zum Hostel und wir schauen DaVinci Code auf DVD. Ich habe hunger und esse aus Verzweiflung einen Nudelcup. Danach fahren wir zum Insider-Tipp des Merians. Die Hostelfrau schüttelt bei einem Blick auf die Merian-strassen-karte nur den Kopf und meint dass die total veraltet sei. Die Ausgabe ist ein Jahr alt, aber die Karte anscheinend Jahrzehnte. Der Taxifahrer ist auch ein wenig verwirrt aber als er den Namen des Restaurants (Louwailou) hört weiß er bescheid. Von wegen Insidertipp.

Scheissepeter! Beim Louwailou geht der Punk ab. Drei Parkeinweiser leiten die ankommenden Autos in die Lücken während sich beim bezahlen unseres Taxis schon neue Leute reinquetschen. Drängelmeister eben. Auf zwei Etagen essen hunderte von Chinesen zu Abend und wir fühlen uns auf dem roten Teppich unter den großen Kronleuchtern etwas verloren. Ein englisch sprechender Assistant erklärt uns dass wir eine Nummer holen und dann ne Stunde auf unseren Aufruf warten müssen. Gesagt, getan. Das ambiente ist edel und lässt auf eine teure Karte schließen.

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Im Louwailou
Die Karte mit englischen Übersetzungen und Bildern ist hilfreich. Doch wie immer steht eine Kellnerin daneben welche zwischen die Seiten greift und weiterblättert. Das nervt mich jedes Mal aber ist nicht loszuwerden. Man hat keine Zeit sich die Seite nur halb durchzulesen da blättert sie weiter. Blättert man zurück greift sie wieder rein und schlägt noch eine Seite um. Sich dabei die Zeit zu nehmen alles genau durchzulesen ist unmöglich. Ich verstehe das wirklich nicht. Ähnlich wie beim Einkaufen wird man ständig unter Druck gesetzt als ob man schon vorher genau wüsste was man will. Die englische Erklärung man wolle erstmal schauen wird zur Kenntniss genommen aber dann doch ignoriert. Nur sehr selten versteht ein Laden das wir gerne wissen wollen was genau wir eigentlich bezahlen.

Den halben Weg laufen wir an den bunten Spiegelungen im See entlang und genießen unseren letzten Abend im relaxten Hangzhou. Im Gegensatz zu Suzhou hat sich der Besuch in dieser Stadt richtig gelohnt und drei Übernachtungen waren auf keinen Fall - wie so oft prophezeit - zuviel.

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Die kleinen Kätzchen
2006.08.20
Der Morgen vorm CheckOut. Ich dusche, packe und setze mich zum Frühstücken an den kleinen Teich mit Wasserfall. Typisch chinesische Fische (orangene) wuseln im seichten Wasser umher. Die Katzenbabys torkeln verplant um die Tische rum, lassen sich aber weder von den Fischen noch von dem Hund beeindrucken. Die Bäume spenden angenehmen Schatten.

Mickey Mouse ist hier neben Meters Bowne Shirts die Hauptattraktion auf den Shirts, Taschen und Koffern. Die Trendfarbe ist zu unserem Schrecken rosa. Männer mit rosa Jeans, rosa Polo und einem Armbändchen kann ich irgendwie einfach nicht ernst nehmen. Lustigerweise haben sie meistens eine Freundin im Partnerlook dabei.

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Viele Chinesen am Bahnhof
Wir haben uns an der Rezeption auf Chinesisch aufschreiben lassen dass wir zwei Zugtickets nach Shanghai wollen. Trotzdem grauts mir jetzt schon vorm Bahnhof. Sitzt man erstmal im Zug ist ja alles gut, aber der Weg dorthin ist immer ein Kampf.

Am Bahnhof warten wir vierzig Minuten in der Tickethalle bis wir an der Reihe sind. Schließlich halten wir zwei Tickets in der Hand und erkennen sofort dass wir heute mal keine festen Sitzplätze haben. Wir hechten schnell zum Zug doch es hat kein Zweck. Plätze ohne Nummer finden wir nicht. Drei Stunden mit Gepäck in einem engen Zug am Klo stehen wollen wir nicht. Also gehen wir nach einer genervten halben Stunde mit Taschen ins Restaurant. Dort spricht man nur chinesisch aber zeigt uns ein Gericht für den Nachbartisch und wir nicken. Die Zeit vergeht trotzdem schleppend und wir fragen uns wie lange sie uns hier noch dulden.

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Einsamer Schatten
Schließlich schmeißt man uns raus doch zehn Minuten später kommen wir schon in Shanghai an. Durchs Gewusel fahren wir mit der Metro zum Hostel. Dort hat man zwar keine unserer Reservierungen jedoch trotzdem ein schönes Zimmer im fünften Stockwerk frei. Endlich da.

Wir finden eine Bank of China doch eine riesige Schlange steht vor ein paar Sitzplätzen. Auf den Sitzplätzen rutschen Chinesen immer einen Platz weiter wenn ein neuer Kunde bedient wird. Also erst wartet man stehend und dann im sitzen. Das sieht nach stundenlanger Warterei aus und ist uns zu blöd. Wir gehen in einen T-Shirt laden der auf Partnerlooks spezialisiert ist. Hier hängen immer zwei Shirts nebeneinander deren Aufdrucke nur in Kombination Sinn ergeben. Doch in unseren Größen XL und L (normal ja M) gibt's die richtig coolen leider nicht. Für zwei Partnerlook Shirts zahlen wir 13 Euro.

Plötzlich geht es mir gar nicht mehr gut. Tezz macht mir noch einen Nudelcup und ich schlafe schnell ein.

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Shanghai Baby
2006.08.21
Unseren letzten Tag wollten wir dem shoppen widmen. Doch als ich aufwache sind so ziemlich alle Stellen meines Körpers an denen keine Haare wachsen mit roten Blasen bedeckt. Omfg! Ich springe schnell unter die Dusche doch der Ausschlag breitet sich nur weiter aus. So schlimmen Ausschlag hatte ich noch nie. Fühlt sich an wie schlimmer Sonnenbrand. Ich möchte sterben.

Ein Angestellter sieht mich rot leuchten und schickt mich in die nächste Apotheke. Dort wirft man einen Blick auf mich, nickt wissend und hält mir eine Packung hin. Hastig bezahle ich und schlucke sofort eine von den Tabletten. Es kann nur besser werden.

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Wiedersehen
Es hat über 30 Grad doch ich habe Gänsehaut. Energie habe ich anscheinend noch und so laufe ich geistesabwesend Tezz hinterher. Wir fahren zur Nanjing Lu. Dort verbringen wir 90 Minuten in der Bank bis ich endlich meine Yuan in der Hand halte. Als wir die Bank verlassen ist vom Ausschlag absolut gar nichts mehr zu sehen. Wundermedizin.

2006.08.22
Wir fahren ein letztes Mal über die überfüllten Strassen durch das Chaos. Einmal quer durch die Stadt hupen wir uns ein letztes mal an den Wolkenkratzern vorbei. Statt zu reden sammeln wir traurig noch letzte Eindrücke. Wir drängeln uns zu Maglev Schwebebahn durch und beschleunigen auf 400 Km/h. Draußen beginnt es zu regnen. Im Flieger sitzen wir zwischen drei schreienden Babys. Wir heben ab. Wiedersehen China.

Von all den Horrorgeschichten die uns vorher immer erzählt wurden hat sich keine bewahrheitet. Wir haben kein Malaria, sind kein einziges mal bestohlen worden, mussten keine Schlange essen und deren Blut trinken. Das Leitungswasser dass beim Zähneputzen in den Mund oder beim rasieren in die Wunden gelangt hat uns auch nicht geschadet, wir wurden nicht angefahren und hatten auch keinen Stromausfall. Adapter für Strom haben wir nicht benötigt und alle Geräte habens überlebt. Die tödliche Hitze hat uns auch keine wirklichen Probleme bereitet.

2006.08.23
Deutschland. Kulturschock. München ist ja so leer, so geordnet, so langweilig, so schwach, so ausdruckslos. Eine Geisterstadt. Zuhause merke ich dass mir folgende Dinge gefehlt haben: Ein großes Bett, Wasser mit Blubbel, basslastige Musik und ein Kühlschrank mit Milchprodukten. Mehr eigentlich nicht.

Ich gehe ohne zu schauen über die Strassen und es hupt nichteinmal. Eltern ermahnen ihre Kinder (noch) langsamer zu fahren. Ein zurückhaltender Flyerverteiler bricht seinen Satz auf mein Kopfschütteln schon ab. Er folgt mir auch nicht. In der Bank bin ich sofort an der Reihe. Ich drängel mich in dem fast leeren Bus schnell auf einen Sitzplatz. Wozu? Einfach so.

Ich bin jetzt schon gelangweilt von dem einschläfernden Leben hier. Ich vermisse all die Dinge über die ich mich anfangs noch aufgeregt habe. Ich möchte zurück ins Gedrängel, in den Lärm und die bunten Werbungen. Ich vermisse mein Shanghai. Die Stadt in der mehr passiert als man Wahrnehmen kann. Wo jede Minute kostbar ist. Wo das Leben pulsiert. Wo sich ständig etwas ändert. Wo man sich einfach lebendig fühlt.

Photos zu China unter Travel
Nächstes Kapitel: Dubai

 

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